Landeskunde Baden-Württemberg

 

Wirtschaftliche Macht der alten Elite

Im Konflikt zwischen Taktik und Prinzip hatte man sich in Stuttgart dann doch für das Prinzip entschieden: keine (oder fast keine) Privilegien mehr für den Adel. Der Adel konnte so auch in die moderne, sich demokratisierende Gesellschaft hineinwachsen, konnte in der württembergischen Ersten Kammer als Vertreter oberschwäbischer und katholischer Interessen auftreten, was eben ein Stück weit parlamentarische Sozialisation bedeutete. Familienmitglieder des Hauses Waldburg-Zeil übernahmen auch gewählte Mandate – schon in der Revolution, dann im Deutschen Reich –, wobei selbst beim „roten Fürst“ Constantin von Waldburg-Zeil, der in der Paulskirche zur Linken gehörte, noch antiwürttembergische Ressentiments mit im Spiel waren.

Heute sind die Adeligen Oberschwabens längst in die Demokratie hineingewachsen. Von ihrem Herrendasein sind höfisches Zeremoniell und der Besitz von Schlössern geblieben. Ansonsten sind sie eher die „Chefs“ von Familien-Holdings mit zum Teil beachtlichem Besitz, auch jenseits von Land- und Forstwirtschaft. An die Stelle von Herrschaftsmacht ist die ökonomische Macht getreten.