Landeskunde Baden-Württemberg

 

Immer auch schon eine Städtelandschaft

Von den 51 Freien Reichsstädten am Ende des Alten Reichs lagen 25 im heutigen Baden-Württemberg. Sieben davon findet man in Oberschwaben (Biberach, Buchau, Buchhorn/ Friedrichshafen, Isny, Leutkirch, Ravensburg, Wangen), fünf weitere im unmittelbaren Umfeld (Memmingen, Lindau, Ulm, Pfullendorf, Überlingen). Die vorderösterreichischen „Donaustädte“ einschließlich Ehingen hatten annähernd reichsstadtähnlichen Charakter (Mengen, Munderkingen, Riedlingen, Saulgau, Waldsee). Den Reichsstädten wird eine strukturelle Affinität zur Reformation nachgesagt, doch in Oberschwaben sind lediglich Isny und Leutkirch protestantische Reichsstädte – dem Ursprung nach, denn da das Umland katholisch ist, ist die Bevölkerungsmehrheit längst katholisch. Biberach und Ravensburg sind paritätische Reichsstädte, in denen Protestanten und Katholiken gleichberechtigt waren.

Wirtschaftsgeschichtlich gesehen waren und sind die Reichsstädte Wirtschaftsmotoren und kulturelle Zentren, in der Vergangenheit wie auch heute. Hier ist die Bevölkerung wendig und erfindungsreich – und sie weiß zu leben. Längst ist Oberschwaben im Zuge der Industrialisierung ein moderner Wirtschaftsstandort geworden. So zieht sich von Ulm her über Laupheim, Biberach, Bad Waldsee, Weingarten, Ravensburg bis hin nach Friedrichshafen, dabei immer wieder auf die Dörfer und kleinen Städte im Umland (wie z. B. Laupheim, Ochsenhausen, Schwendi) ausgreifend, ein Band wichtiger Industriebetriebe, die nicht selten Global Players sind, mit teilweise hohen Marktanteilen. Attraktiv ist dieses Land geblieben, dank seiner guten Wirtschaftsstruktur, ziemlich gesunden Umwelt und einem hohen Freizeitwert.