Landeskunde Baden-Württemberg

 

Auch eine Adelslandschaft

Oberschwaben ist auch eine Adelslandschaft, mit alteingesessenen Herrschergeschlechtern wie den Waldburg-Zeil, Waldburg- Wolfegg (und noch weiteren Linien) und den Königsegg. Durch die Säkularisation kamen weitere Adelsgeschlechter ins Land, so die Quadt-Wyckradt und die Thurn und Taxis, die sich hier ausdehnen konnten. Selbst der Landesherr, das Haus Württemberg, wurde – und blieb – in Oberschwaben ansässig: im Deutschordensschloss zu Altshausen und im Priorat Hofen des Klosters Weingarten in Friedrichshafen. Da die durchweg katholischen Adelsfamilien ihre Mediatisierung als grobes Unrecht empfanden, waren sie dem württembergischen Staat und seinen liberalen Beamten gegenüber durchaus feindlich gesonnen, und verständlicherweise auch antiliberal.

Die württembergische Politik musste ein Bündnis zwischen katholischem Adel und katholischer Landbevölkerung fürchten, was die Integration Oberschwabens ernsthaft gefährden konnte. Von daher rührt eine gezielte Gleichbehandlungspolitik von Protestanten und Katholiken, verbunden mit überaus freundlichen Gesten der württembergischen Könige Wilhelm I. und Karl gegenüber dem katholischen Bevölkerungsteil. Ein Kulturkampf wie in Baden konnte so vermieden werden. Für die Politik hilfreich war zudem das Spannungsverhältnis zwischen Adel und Landbevölkerung, die teilweise Unter-Untertanen adeliger Familien war, bis dann im Zuge der Revolution von 1848/49 die Privilegien der Standesherren abgeschafft wurden.