Landeskunde Baden-Württemberg

 

Die Volksversammlung vom 19. März 1848 in Offenburg

Der kolorierte Stahlstich zeigt Offenburg um 1850. Die ländliche Idylle scheint auch durch die Eisenbahn rechts im Hintergrund nicht gestört. Der neuen Eisenbahn kam in der Revolution eine zentrale Bedeutung zu. Offenburg eignete sich als landesweiter Treffpunkt in Baden, weil es von allen Orten des Landes per Bahn gut zu erreichen war. Foto: Stadtarchiv Offenburg

Nachdem sich die Nachricht von der Februarrevolution im Jahr 1848 in Paris auch in Baden rasend schnell verbreitet hatte, kam es hier schon Ende Februar zu ersten Protesten auf lokaler Ebene. Bereits am 27. Februar 1848 wurden in Mannheim Forderungen formuliert, die in den folgenden Wochen als „Märzforderungen“ überall in Deutschland ähnlich gestellt werden sollten. Die Mannheimer Bürger verlangten „Wohlstand, Bildung und Freiheit für alle Klassen der Gesellschaft, ohne Unterschied der Geburt und des Standes“, weiter „allgemeine Volksbewaffnung, Pressefreiheit, Schwurgerichte und die Wahl eines deutschen Parlaments“. Das Vorbild der ein halbes Jahr vorher formulierten „Offenburger Forderungen“ ist klar erkennbar.

Um den Protesten in Baden eine breite Basis zu geben, luden Mannheimer und Heidelberger Bürger am 9. März 1848 von Karlsruhe aus zu einer Versammlung aller Badener nach Offenburg ein. Die Wahl war wegen der zentralen Lage und der guten Erreichbarkeit per Bahn wiederum auf diese Stadt gefallen. Unter den Unterzeichnern der Einladung waren bekannte badische Politiker und Journalisten aus den Reihen der demokratischen Opposition wie Adam von Itzstein, Friedrich Hecker, Ignaz Peter, aber auch gemäßigte Liberale wie Karl Mathy, Alexander von Soiron und Carl Theodor Welcker.

Wie bereits bei der Versammlung im „Salmen“ wurden nun auch im Vorfeld der geplanten Volksversammlung Stimmen für die Republik laut. In einem Offenburger Flugblatt vom 19. März 1848 wurde formuliert: „Fort mit den Fürsten und ihrem Anhang; wir wollen uns selbst regieren, einig, frei und wohlfeil. Es lebe die Republik!“ Auch wurde bekannt, dass der Journalist Joseph Fickler im Seekreis die Ausrufung der Republik forderte und mit der Absicht nach Offenburg kommen wollte, dies bei der Versammlung am 19. März zu tun. Bereits am Samstag vor der geplanten Volksversammlung trafen sich im Gasthaus „Zur Post“ führende Oppositionelle, darunter Hecker, Struve, Itzstein und Fickler, zu einer Vorbesprechung. Auch der gemäßigte Liberale Karl Mathy reiste an. Zentrales Thema war hier nach Struves Bericht die Frage der Republik. Fickler forderte tatsächlich zur Ausrufung der Republik auf, fand allerdings keine Mehrheit unter den Anwesenden.