Landeskunde Baden-Württemberg

 

Revolution in Gemeinden

Nicht nur in den in dieser Broschüre erwähnten Städten und Gemeinden machte sich die Revolution 1848/49 bemerkbar. Nach den Ereignissen in Frankreich erhitzten sich die Gemüter im Frühjahr 1848 auch andernorts, Nachrichten verbreiteten sich in Windeseile.

Als ein Beispiel sei das 1848 zum badischen Bezirksamt Meersburg gehörende Markdorf angeführt. Dort hielten am 17. und 18. März 1848 der Klufterner Pfarrer Johann Baptist Uhlmann und der liberale Konstanzer Kaufmann Zogelmann öffentliche Reden, um die Ideen der Revolution zu verbreiten. Die Reaktion in Markdorf und den umliegenden Gemeinden war eher zurückhaltend. Dem Aufruf, am Hecker-Zug teilzunehmen, folgten im April 1848 lediglich zehn Markdorfer, die jedoch mitsamt den Teilnehmern aus Hagnau von Pfarrer Uhlmann wieder zurückgeholt wurden, bevor sie den Sammelpunkt Stockach erreichten. Die Nachricht von der Niederlage Heckers und Struves hatte sich bereits verbreitet.

Erst in der zweiten Hälfte des Jahres 1848 fand in Markdorf ein Stimmungsumschwung statt. Seit dem Sommer exerzierte regelmäßig eine Kompagnie Freischärler von 200 Mann aus Markdorf und Umgebung. Versammlungen fanden statt, ein Volksverein entstand. Bei einer großen Volksversammlung am 4. Juni 1849 verlas der Schriftführer des Volksvereins Johann Baptist Rist vom Balkon des Gasthauses „ Adler" (bis heute erhalten) einen aufrührerischen Zeitungsartikel. In den Wochen darauf wurden in Zürich Musketen und Gewehre beschafft. Anfang Juli stellte sich die Markdorfer Kompagnie auf Kampf ein und zog nach Überlingen. Dort erfuhren die Männer von der Niederlage des badischen Heeres, sie kehrten in ihre Heimat zurück und die meisten flohen über den Bodensee in die Schweiz. Am 11. Juli besetzten bayerische Truppen die Stadt, die nachrevolutionäre Gerichtsbarkeit griff hart durch, und das öffentliche Leben war für Jahre gestört.

Ähnlich wird von Todtmoos berichtet, wie bei einer Bürgerversammlung Gewehre und Waffen gefordert wurden, um auf alles gefasst zu sein. Beim Gefecht in Kandern war eine Wehrmannschaft von 104 Todtmoosern dabei, die schon lange vorher militärisch geschult worden war.

Auf der sogenannten Schusterinsel (heute nicht mehr vorhanden) bei Weil am Rhein versammelten sich nach dem Aufruf Heckers am Gründonnerstag, dem 20. April 1848, einige Hundert Handwerksgesellen, darunter auch Schweizer und Revolutionäre aus Frankreich. Sie wollten sich mit Herweghs Truppe zusammentun und hielten Versammlungen ab. Am 25. April besetzten sie die Insel und erklärten die deutsche Republik.

Für die fünf in Staufen unschuldig hingerichteten Musikanten (vgl. Struve-Zug) wurde 1927 auf dem Friedhof in Weil ein Obelisk aus Granit errichtet.   
 

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