Landeskunde Baden-Württemberg

 

Mittlerer Oberrhein

Karlsruhe und Baden-Baden haben die Region Mittlerer Oberrhein nicht erst durch den "Steigflug" des gleichnamigen Regionalflughafens national und international bekannt gemacht. Hier fällt das Bundesverfassungsgericht seine Urteile, hier lehrt die erste Informatikfakultät Deutschlands, hier ertönt das zweitgrößte Opernhaus Europas. "Hightech trifft Lebensart" lautet das treffende Motto der TechnologieRegion Karlsruhe, unter der sich die Region erfolgreich positioniert.

Mit einem Bruttoinlandsprodukt von rund 42 Milliarden Euro trägt die Region Mittlerer Oberrhein rund zehn Prozent zum BIP des Landes bei. Und das, obwohl sie mit einer Fläche von 2.137 Quadratkilometern die kleinste der zwölf Planungsregionen in Baden-Württemberg ist. Die Regionsgrenze umfasst die Stadtkreise Karlsruhe und Baden-Baden sowie die beiden Landkreise Karlsruhe und Rastatt. Hier leben über eine Million Menschen. Die Siedlungsstruktur wird geprägt durch das Oberzentrum Karlsruhe und die leistungsstarken Mittelzentren Baden-Baden, Bretten, Bruchsal, Bühl, Ettlingen, Gaggenau/Gernsbach und Rastatt.

Der Naturraum ist durch eine vielfältige Landschaft geprägt. Der Rhein markiert auf einer Länge von rund 80 Kilometern die Westgrenze der Region, an die sich das Elsass und die Pfalz anschließen. Nach Osten bestimmt die flache Rheinebene das Landschaftsbild, bevor sie im nördlichen Bereich in die sanften Hügel des Kraichgaus übergeht. In der Südhälfte der Region schließt sich der Schwarzwald an, der hier vereinzelt bereits auf über 1.000 Meter ansteigt. Dort befinden sich ausgedehnte Waldflächen, die zusammen mit den Wäldern in der Rheinebene den Großteil der Regionsfläche ausmachen. Vier Prozent der Regionsfläche stehen unter Naturschutz, ein Viertel gehört dem Europäischen Schutzgebietssystem "Natura 2000" an.

Die Siedlungs- und Verkehrsbereiche konzentrieren sich im Wesentlichen auf den Rheingraben und die Täler der Seitenflüsse. Sie beanspruchen zusammen fast ein Fünftel der Gesamtfläche. Die Autobahnen A5 und A8 durchziehen die Region ebenso wie bedeutende transeuropäische Schienenverkehrswege. Das regionale Nahverkehrssystem ist als "Karlsruher Modell" inzwischen weltweit bekannt und oft kopiert. Zweisystemstadtbahnwagen, die innerörtlich und auf dem Netz der Deutschen Bahn fahren können, verbinden umsteigefrei die Städte mit dem Umland.

Regionalverband Mittlerer Oberrhein

In der Charakteristik der Region spiegeln sich auch die unterschiedlichen Ansprüche an die begrenzte Fläche wider. Mit einer Siedlungsdichte von rund 472 Einwohnern pro Quadratkilometer sind Nutzungskonflikte vorprogrammiert. Der Regionalverband ist seit über 30 Jahren bestrebt, im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung zwischen den Flächeninteressen zu vermitteln. Sein Hauptwerkzeug ist der Regionalplan, der rechtsverbindlich den Stand und die künftigen Flächennutzungen festlegt. Entsprechend heißt die regionalplanerische Devise bei der Siedlungsentwicklung: Innen- vor Außenentwicklung.

Zu den besonderen regionalplanerischen Herausforderungen in der Region Mittlerer Oberrhein gehören der Hochwasser- und Klimaschutz, der Sand- und Kiesabbau entlang des Rheins sowie die Steuerung der Verkehrsentwicklung.

Die zügige Umsetzung des "Integrierten Rheinprogramms" des Landes Baden-Württemberg ist eines der wichtigen Ziele für die Region. Damit sollen einerseits der 200-jährliche Hochwasserschutz am Rhein wiederhergestellt und andererseits die Oberrheinauen renaturiert und erhalten werden. Die Rheinauenlandschaft der Region gehört seit September 2008 zum deutsch-französischen Ramsar-Gebiet "Oberrhein/Rhin supérieur", das in einer Reihe steht mit international bekannten Feuchtgebieten wie den Everglades in Florida, dem Pantanal in Brasilien oder der Camargue in Südfrankreich.

Gleichzeitig ist die Rheinniederung mit ihren mächtigen Sand- und Kieshorizonten prädestiniert für die Gewinnung wertvoller Baurohstoffe. In der Region Mittlerer Oberrhein gibt es 119 Baggerseen mit einer Gesamtfläche von über 2.500 Hektar. An 39 Seen wird noch Kies und Sand abgebaut, jährlich knapp 10 Millionen Tonnen. Durch den Regionalplan sind weitere geeignete Abbauflächen für die künftige Rohstoffversorgung planerisch gesichert.

Die Art der Flächennutzung beeinflusst auch das lokale Klima. Gerade im Oberrheingraben können heiße Sommer vor allem in den Städten die Lebensqualität erheblich einschränken. Der Regionalverband wirkt auf eine Siedlungsentwicklung hin, die natürliche klimatische Ausgleichsfunktionen berücksichtigt. Das ist auch ein Beitrag zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels.

Im Verkehrsbereich engagiert sich der Regionalverband für eine Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene sowie für den Ausbau des schienengebundenen Nahverkehrs entlang von Siedlungsachsen. Darüber hinaus arbeitet er mit bei der Entwicklung der beiden Schienenfernverkehrstrecken von Paris nach Bratislava bzw. Budapest ("Magistrale für Europa") und von Rotterdam nach Genua ("Nord-Süd-Transversale").

Besonderen Wert legt der Regionalverband Mittlerer Oberrhein auf die grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Die Kooperation und Abstimmung mit den Nachbarn auf der anderen Rheinseite hat bereits eine lange Tradition, die sich inzwischen im Eurodistrict REGIO PAMINA manifestiert hat. Dort ist auch die Touristik-Gemeinschaft Baden-Elsass-Pfalz angesiedelt, deren Geschäfte der Regionalverband führt. Darüber hinaus gehört der Regionalverband zu den Baumeistern der "Trinationalen Metropolregion Oberrhein", die sich von Karlsruhe bis nach Basel auf beiden Seiten des Rheins erstreckt.

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