Landeskunde Baden-Württemberg

 

Joseph Victor von Scheffel (1826 - 1886)

Joseph Victor von Scheffel, Zeichnung von A. von Werner 1867
Joseph Victor von Scheffel, Zeichnung von A. von Werner 1867

Joseph Victor von Scheffel wurde 1826 in Karlsruhe geboren. Sein Vater arbeitete als Ingenieur unter anderem zusammen mit Johann Gottfried Tulla an der Rheinbegradigung. Scheffel studierte Jura, Philologie und Literatur an den Universitäten Heidelberg, München und Berlin. Während seiner Studienzeit war er Mitglied verschiedener Burschenschaften. Auf das erfolgreiche Staatsexamen folgte 1849 die Promotion in der Rechtswissenschaft, jeweils in Heidelberg.

Nach wenigen Jahren der Tätigkeit als Jurist erlaubte es sein bürgerlicher Familienhintergrund alsbald zu Reisen. 1852 verschlug es ihn, wie seinen Dichterkollegen Goethe vor ihm, nach Rom, wo er endgültig seine Leidenschaft und seine Begabung zum Schreiben entdeckte.

Seit dem Jahr 1858 lebte und arbeitete er wieder in seiner Heimatstadt. Zu seinem 50. Geburtstag erhob ihn der Großherzog von Baden in den persönlichen Adelsstand. Er heiratete Caroline Freiin von Malsen, die Tochter eines bayerischen Gesandten am badischen Hof. 1867 wurde ihr Sohn Victor geboren. Die Ehe blieb verlief jedoch unglücklich und die Trennung folgte bald. Joseph Victor von Scheffel starb am 9. April 1886 in Karlsruhe und liegt dort auf dem Hauptfriedhof begraben. 

Literarische Tätigkeit

Noch zu Lebzeiten war der Joseph Victor von Scheffel mit einer breiten Leserschaft gesegnet. Das Wilhelminische Deutschland entdeckte sich in seinem Bedürfnis nach Sonderstellung und Abgrenzung zur europäisch-römischen Tradition in Scheffels Versen und Gedichten wieder. Der gekonnte Rekurs auf die humanistischen Bildungsquellen, die Antike und die Renaissance, und die gleichzeitig ironische Distanzierung von denselben, machten ihn zu einem beliebten Literaten für die gebildeten Schichten im Kaiserreich. Sein berühmter Versepos "Der Trompeter von Säckingen", der 1853 entstand, ist ein paradigmatisches Beispiel für Form und Inhalt seines Schaffens: 


    Römisch Recht, gedenk ich deiner,
    Liegts wie Alpdruck auf dem Herzen,
    Liegt's wie Mühlstein mir im Magen,
    Ist der Kopf wie brettvernagelt!
    …
    Sind verdammt wir immerdar, den
    Großen Knochen zu benagen,
    den als Abfall ihres Mahles
    uns die Römer hingeworfen?
    Soll nicht aus der deutschen Erde
    Eignen Rechtes Blum' entsprossen,
    Waldes duftig, schlicht, kein üppig
    Wuchernd Schlinggewächs des Südens?
    Traurig Los der Epigonen!
    Müssen sitzen, müssen schwitzen,
    Hin und her die Fäden zerren,
    eines wüstverschlungnen Knäuels,
    Gibts's kein Schwert und andre Lösung?

 

 Der Trompeter von Säckingen hoch zu Ross am Rheinufer

"Der Trompeter von Säckingen hoch zu Ross am Rheinufer", anonym, datiert 1896

Wie viele Werke des 19. Jahrhunderts ist auch das Scheffels von einem latenten Nationalismus durchzogen. Die Metapher vom bildungsbeflissenen und treuen Deutschen traf das Selbstverständnis vieler seiner Landsleute passgenau und trugen somit wesentlich zu seiner Popularität bei der zeitgenössischen Leserschaft bei. Gleichsam wirkte in umgekehrter Richtung Scheffels Literatur zweifellos konturierend auf das Selbstbild der Deutschen in jenen Jahren.

Weitere bekannte Werke Scheffels sind der frühe Roman "Ekkehard" (1855), der sich an die Lebensgeschichte eines St. Gallener Mönchs anlehnt, das "Frankenlied" von 1859, das gerne auch als die inoffizielle Hymne der Franken bezeichnet wird, sowie der Gedichtzyklus "Waldeinsamkeit" (1880), der durch die Landschaftsmalereien Julius Mařáks inspiriert wurde. 

1891 gründete der Philologe und Schriftsteller Joseph Stöcklein Schwetzingen den Scheffelbund, die bis heute größte literarische Vereinigung Deutschlands mit Sitz in Karlsruhe. Der Scheffelbund verleiht alljährlich einen nach dem Dichter benannten Preis für herausragende Leistungen im Fach Deutsch an Gymnasialschüler. Der Bund verwaltet den Nachlass des Dichters. Ein Teil davon befindet sich in der Badischen Landesbibliothek.

Werke Scheffels bei Projekt Gutenberg

Digitalisierte Briefe Scheffels bei der Badischen Landesbibliothek

Literarische Gesellschaft - Scheffelbund Karlsruhe e.V.

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Das Badnerlied

 

Das Badnerlied enthält eine Zeile des "Trompeters von Säckingen" von Joseph Victor von Scheffel.