Landeskunde Baden-Württemberg

 

Joannes Baptista Sproll (1870-1949)

Bild: LMZ

In seiner insgesamt 22-jährigen Amtszeit als Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart machte sich der katholische Geistliche Joannes Baptista Sproll in besonderem Maße als Gegner und Kritiker des NS-Regimes verdient: Angesichts seines offenen Kampfes gegen die nationalsozialistische Politik wurde er früh Zielpunkt regimeseitigen Drucks – und schließlich im Zusammenhang gewaltsamer Agitationen aus seiner Diözese vertrieben. Schon im März 1935 hatte Sproll in einer Predigt im Weingartener Münster ausgerufen: „Die heftigsten Gegner des Christentums dürfen in aller Öffentlichkeit reden; die Verteidiger werden in ihrer Redefreiheit beschränkt. […] Da kann für uns nur die Parole gelten: Gott und Christus und Kirche! Wir stehen in Treue fest zu dem, was wir unser Leben lang geglaubt und bekannt haben. Und wo wir den Geist des Antichristentums verspüren, da sind wir nicht dabei.“

Joannes Baptista Sproll wurde am 2. Oktober 1870 in Schweinhausen bei Biberach an der Riß geboren. Nach dem Abitur studierte er katholische Theologie – und wurde 1895 in Rottenburg zum Priester geweiht. Danach war er zunächst mehrere Jahre lang als Pfarrer im Umkreis von Ehningen tätig, 1913 wurde er Generalvikar. Schon zu dieser Zeit engagierte er sich aktiv in der karitativen Vereinsarbeit und der katholischen Jugenderziehung.

Offene Kritik am Nationalsozialismus

Im Nachfeld des Ersten Weltkrieges wurde Sproll als Abgeordneter des Zentrums in die Verfassunggebende Landesversammlung Württembergs gewählt. In der Zwischenzeit hatte er auch seinen kirchlichen Aufstieg weiterverfolgt – und wurde letztlich im Sommer 1927 als Bischof der Diözese Rottenburg eingesetzt. Früh hatte er erkannt, dass sich die Ziele des Nationalsozialismus nicht mit christlichen Werten vereinbaren ließen: Mutig und offen predigte er daher gegen die Nationalsozialisten an – und bezeichnete die NS-Ideologie als eine „Religion des Blutes und der Rasse“ , in deren Angesicht man keineswegs schweigen dürfe: „Täten wir das, dann wären wir keine wachsamen Hirten, sondern schlafende Wächter.“

Derartige Äußerungen brachten Sproll trotz seiner besonderen Stellung als Bischof bald zunehmend in Bedrängnis. Schließlich nahmen die Nationalsozialisten sein demonstratives Fernbleiben von der Volksabstimmung über die Angliederung Österreichs an das Deutsche Reich zum Anlass, um ihn offen anzugreifen und mit Hausdurchsuchungen und gewaltsamen Demonstrationen unter Druck zu setzen. Im August 1938 musste Sproll aus seiner Diözese fliehen.

Erst nach Ende des Kriegs konnte er wieder nach Rottenburg zurückkehren – und starb dort am 4. März 1949.


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