Landeskunde Baden-Württemberg

 

Volkslieder

Im Vergleich zum Hohenzollernlied und zum Loblied der Badener hat "Der reichste Fürst" den literarisch anspruchvollsten Text. Der Arzt und Dichter Justinus Kerner (1786-1862), in Ludwigsburg geboren und nach mehreren Stationen schließlich in Weinsberg heimisch, hat ihn geschaffen. Im Bild: Justinus Kerner: Schmuckblatt um 1830 mit seitlichem Brustbild und Gedicht. Im Schmuckrand befinden sich Abbildungen von Weinsberg. Foto: Dieter Jaeger, LMZ Baden-Württemberg

Landeshymnen gelten als Volkslieder. Das heißt nicht, dass sie aus dem Volk heraus geboren sind, einfach so, wie man lange glaubte. Sie haben Dichter und Komponisten, nur kennen wir sie vielfach nicht. Immerhin glaubte man, die Landeshymnen in Text und Musik verändern zu dürfen, ja Anleihen bei anderen Texten und Musikstücken machen zu können, sie sogar von anderswoher zu nehmen und die Melodie mit neuem Text zu unterlegen. Das gilt beispielsweise auch für das Badnerlied im Vergleich zum ähnlich gestrickten Sachsenlied, dessen Melodie einem Ernst Julius Otto zugeschrieben wird (veröffentlicht 1890). Welches der beiden Lieder eher da war, lässt sich nicht einfach bestimmen. Der erste gedruckte Nachweis sagt zumeist wenig aus, ist eher zufällig: Schon lange vorher war zumeist ein Lied im Schwang, auch von daher mag die Bezeichnung „Volkslied“ gerechtfertigt sein.

Beim Badnerlied gehen wir davon aus, dass es zwischen 1865 und 1890 entstanden sein muss. Vorher war Mannheim noch nicht „die Fabrik“ und die besungene Festung Rastatt wurde bereits 1890 geschleift. Die „Heidelberg- Strophe“ war aus dem Trompeter von Säckingen von Viktor von Scheffel „geklaut“ worden. Im Volksliedbereich galt das als eine erlaubte Unkorrektheit. Das Hohenzollernlied wird, nach langer Suche durch den Tübinger Gymnasialprofessor Eugen Nägele (Mitbegründer des Schwäbischen Albvereins und Schriftleiter von dessen Zeitschrift), nach Text und Melodie dem Oberpostpraktikanten Hermann Vitalowitz zugeschrieben. Er hatte sich selbst als Urheber bei Nägele gemeldet, wie überzeugend eine solche „Selbstanzeige“ auch immer sein mag. Das Lied ist seit etwa 1860 in Gebrauch. Die Melodie scheint der französischen Hymne Ma Normandie entlehnt zu sein.

Eindeutig sind die Gegebenheiten bei der Schwabenhymne "Preisend mit viel schönen Reden". Der Text stammt vom bekannten schwäbischen Dichter Justinus Kerner. Entstanden ist er 1818. Nicht zufällig also ist es die literarisch anspruchsvollste Hymne. Text und Melodie sind erstmalig 1823 erschienen. Der Komponist ist unbekannt; Anklänge an die Marseillaise sind unüberhörbar.

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