Landeskunde Baden-Württemberg

 

Identitätsstiftung via Hymne

Als "badisch" definiert: Schwarzwald, "schöne Mädchen" und eben das Bier aus der Badischen Staatsbrauerei Rothaus, dessen "Tannenzäpfle" besonders beliebt und von hohem Erkennungswert ist. Beim Singen des Badnerliedes kann man das "Badische" zusammenbringen und sich daheim fühlen. Foto: Badische Staaatsbrauerei Rothaus AG

Landeshymnen stiften Identität, vermitteln Wir-Gefühl, sind Zeichen von Zugehörigkeit und Teil des Symbolhaushalts einer Gruppe. Ohne Symbole gibt es keine Identität. Symbole erlauben die Selbstdefinition einer Gruppe, auch die einer Großgruppe, zu der ein Land im deutschen Kontext gehört. Zu solcher Art Symbolen gehören unter anderem das Herrscherhaus oder heute der „Landesvater“ (weshalb Ministerpräsidenten gut beraten sind, von ihrer Rolle als Parteiführer abzurücken), die Verfassung mit guten Institutionen, Fahnen und Wappen, Feste und Feiern, und vor allem auch Bauwerke.

So hat der badische Staat im 19. Jahrhundert das ganze Land mit Gebäuden von hohem Wiedererkennungswert überzogen, die Identifikation erlaubten: Amtshäuser, Gerichte und Gefängnisse, evangelische und katholische Kirchen, ja sogar Synagogen. Stilistisch stark geprägt sind diese Bauten vom badischen Hofbaumeister Friedrich Weinbrenner (1766–1826) und seiner Schule, die Bahnhöfe vielfach vom Weinbrenner-Schüler Jakob Friedrich Eisenlohr (1805–1855).

In Scherzheim (heute Gemeinde Lichtenau, Landkreis Rastatt) entstand 1811 die erste Kirche, die der badische Staatsbaumeister Friedrich Weinbrenner entworfen hatte. Im Bild: Karlsruhe: ev. Stadtkirche, von Westen, 1996, Foto: LMZ Baden-Württemberg, Steffen Hauswirth

Selbst das Bier aus der Badischen Staatsbrauerei Rothaus, das in den Wartesälen ausgeschenkt wurde, hatte Symbolcharakter, zeigte es doch an, wo man sich befand, ganz gleich, in welchem Landesteil: im heimischen Baden. Auch Kleidung, Ess- und Trinkgewohnheiten mögen identitätsstiftend wirken: das badische Schäufele wie der württembergische Trollinger – auch Heimatliebe geht durch den Magen. Hier jedoch sind am ehesten Veränderungen und Grenzüberschreitungen zu beobachten: Schwäbische Maultaschen gibt es inzwischen nicht nur auch im Badischen, sondern längst auch in Hannover. Und das „Tannenzäpfle“-Pils aus der badischen Rothaus-Brauerei wird inzwischen selbst in Köln gerne getrunken. Kleidungsstile sind dagegen kaum noch Identitätszeichen – von Bayern vielleicht abgesehen.

 

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