Landeskunde Baden-Württemberg

 

Das Hohenzollernlied

Zur Festigung der neuen Herrschaft versuchte Baden, die Integration durch eine konsequente Modernisierungspolitik zu bewerkstelligen, wozu eine moderne Verfassung genauso gehörte wie eine umfassende Infrastrukturpolitik. Genannt seien hier nur das Jahrhundertprojekt der Rheinregulierung und der früher als in Württemberg begonnene Eisenbahnbau, der nicht nur entlang der sprichwörtlichen Rheinschiene erfolgte, sondern quer durch das in jeder Hinsicht heterogene Land, um so das neue Staatsgebilde und seine Menschen zusammenzubinden. Symbolische Politik kam hinzu.

Hohenzollern hatte in der Neuordnung nach dem Ende des Alten Reiches wenig hinzugewonnen. Sein größter Gewinn bestand darin, überhaupt am Leben geblieben zu sein. Denn eigentlich passten die beiden Winzlinge Hohenzollern-Sigmaringen und Hohenzollern-Hechingen nicht in das Konzept der napoleonischen Neuordnung Deutschlands, das darauf aus war, leistungsfähige Mittelstaaten als Verbündete Frankreichs zu schaffen, die nicht zuletzt Soldaten stellen konnten. Nur dank der privaten Beziehungen von Fürstin Amalie Zephyrine von Hohenzollern-Sigmaringen (1760–1841) zum französischen Kaiserhaus blieb die Selbstständigkeit Hohenzollerns erhalten. Allerdings lehrten die eigenen Untertanen die beiden Fürstenhäusern in der Revolution von 1848/49 das Fürchten, sodass sie sich 1850 unter die Fittiche des Preußenadlers begaben.

Hohenzollern war damit noch unbedeutender geworden, die eigene Hymne konnte allenfalls noch identitätssichernd genutzt werden: gegen die ungeliebte württembergische Nachbarschaft und innerhalb des Königreichs Preußen, dem man nun als Hohenzollernsche Lande zugehörig war. Die Stammburg der Hohenzollern, hoch über Hechingen gelegen, blieb als Integrationssymbol übrig. Auch bei den neuen Herren im fernen Berlin blieb sie als Horst des Preußenadlers von symbolischer Bedeutung. Von daher verwundert es eigentlich nicht, dass Hohenzollern nur eine ziemlich nichtssagende Hymne hervorgebracht hat, strotzend von Heimweh und Rückkehrseligkeit, mit der Burg Hohenzollern als Heimatsymbol – und sonst nichts.

 

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