Landeskunde Baden-Württemberg

 

Eigenschaften einer Hymne

5 Landsknaechte aus dem Jahr 1530, bereits mit Pfeiffer und Trommler“. Foto: "Die fünf Landsknechte", Radierung von Daniel Hopfer, um 1530

Eine zentrale Rolle im Symbolhaushalt einer Großgruppe spielen neben greifbaren Dingen eben auch Hymnen, ganz gleich, ob offiziellen oder inoffiziellen Charakters. Text und Melodie wirken hier eng zusammen, wobei der Musik entscheidende Bedeutung zukommt, nämlich den zugrunde liegenden Text zu befördern. Um es deutlich zu sagen: Die Melodie könnte – beinahe – ohne den Text auskommen, aber nicht der Text ohne die Melodie. Sie wird in Beschlag genommen, um Inhalte zu vermitteln. Musik kann, was Worten kaum gelingt: den Singenden ganz erfassen, zutiefst erschüttern und damit alle Zweifel der Zugehörigkeit wegwischen. Hymnen stellen Ansprüche, an sich selbst und an das Ambiente, in dem sie gesungen werden. Es geht dabei nicht vorrangig um die musikalische Qualität, sondern um die Eingängigkeit, vor allem bei der Melodie, weniger beim Text.

Hymnen müssen sofort mitgesungen werden können, ja man muss geradezu den Drang dazu verspüren. Sie müssen geschmettert werden können, aus vollem Hals. Hymnen sind nicht für das stille Kämmerlein gedacht, für die Hausmusik. Sie gehören in die Öffentlichkeit. Erst durch das gemeinsame Singen werden Gemeinsamkeit und Gemeinschaft gestiftet und Zusammengehörigkeit empfunden. Hymnen verleihen ein erhebendes Gefühl, das über die Existenz als Individuum hinaus trägt, bis zur Schmerzgrenze, sogar zu Tränen erschüttern kann. Gesteigert wird das durch herausragende Anlässe: Feste und Feierlichkeiten, Geburtstagsfeiern des Herrscherpaares, prunkvolle Gottesdienste, aber eben auch gewonnene Fußballspiele. Festliche Kleidung und strahlender Sonnenschein können das Übrige dazu tun.

Hymnen können aber auch eine Trotzgeste sein, gesungen aus der Defensive heraus: Seht her, wir sind viele, und wir sind mächtig. Oder auch aus Heimweh. Seit eh und je haben Militärmärsche – durchaus mit Hymnencharakter – Gruppen kämpferisch zusammengeschmiedet. Auch das Badnerlied ist in diesem Kontext überliefert. Die erste gedruckte Fassung stammt aus dem Jahr 1906: Marschlieder des 5. badischen Infanterieregiments. Alle Hymnen zeichnet zudem in Text und Melodie die positive, Zuversicht verbreitende, wenn nicht gar siegesgewisse Stimmung aus, mit Superlativen und viel Selbstlob garniert: Das schönste Land bzw. Loblied der Badener oder Preisend mit viel schönen Reden bzw. Der reichste Fürst.

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Jubiläum: 65 Jahre BW

Baden-Württemberg blickt als Bundesland auf 65 Jahre Geschichte zurück. Die Landeszentrale Politische Bildung hat zur Entstehungsgeschichte des Bundeslands ein Themenportal erstellt.

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