Landeskunde Baden-Württemberg

 

Das Deutschlandlied

Südwestdeutschland um 1789

Der politische Umbruch, das Gegeneinander von monastischem Prinzip und modernem Nationalstaatsdenken macht sich also auch in der Hymnenlandschaft bemerkbar: Neben die Fürstenhymne tritt die Landeshymne, im Falle des Deutschlandliedes (Lied der Deutschen) von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798–1874) sogar mit Rückgriff auf dieselbe Melodie (Joseph Haydn, Kaiserquartett: Gott erhalte Franz den Kaiser). Denkbar ist, dass das Deutschlandlied, 1841 gedichtet und im selben Jahr zuerst in Hamburg gesungen, deutschlandweit beispielgebend war, mit der Umschreibung des Geltungsbereichs (in diesem Fall die Nation, die mit den Sprachgrenzen gleichgesetzt wird) in der ersten Strophe, mit dem Rückgriff auf Stereotypen (Wein, Weib, Gesang und Treue) in der zweiten.

Man schaue sich unter diesem Aspekt die später entstandenen Hymnen Badnerlied und Hohenzollernlied an. Neu ist im Deutschlandlied, neben dem nationalen Bezug, die Aufnahme liberaler Forderungen nach nationaler Einheit, Rechtsstaatlichkeit und freiheitlicher Verfassung in der dritten Strophe. So konnte nach dem Ende der Monarchie Das Lied der Deutschen 1922 die offizielle Nationalhymne werden – und blieb es in der Bundesrepublik mit der dritten Strophe, vor und auch nach der deutschen Einigung.

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Umbruchzeiten

"Marche des Marseillois chantée sur diferans theatres." Früher Druck der Marseillaise aus dem Jahr 1792, W. Holland Londres

Besonders in gesellschaftlich-ideologischen Umbruchzeiten wird von Liedern und Hymnen Gebrauch gemacht. Martin Luther etwa hat sich sowohl als Liederdichter wie als Komponist hervorgetan. Auf der Gegenseite war die Gegenreformation produktiv, erst recht während der Neuorientierung des Katholizismus im 19. Jahrhunderts in Form des Ultramontanismus: Neben der wiederbelebten Volksfrömmigkeit sollte das Kirchenlied der äußeren Abgrenzung, der Demonstration (Fronleichnamsprozession) und – mehr noch – der Einigkeitsstiftung dienen. Es sollte den emotionalen Kitt liefern. Auf der einen Seite also Eine feste Burg ist unser Gott, auf der anderen Seite Ein Haus voll Glorie schauet oder Fest soll mein Taufbund ewig stehen, ich will die Kirche hören. Ein mitreißendes Lied wird zudem von Pfarrern immer auch dann eingesetzt, wenn die Gläubigen nicht (vorzeitig) die Kirche verlassen sollen. Großer Gott, wir loben dich ist so ein Lied, das mitzusingen man sich nicht entgehen lassen will.

Den entscheidenden Umbruch der letzten rund 200 Jahre europäischer Geschichte stellt die Französische Revolution und die damit verbundene Napoleonische Ära dar. Sie hat bis heute wirkmächtige Hymnen produziert. So hat die Marseillaise als „Transportband“ der Französischen Revolution eine zentrale Rolle gespielt, geschaffen von Claude Joseph Rouget de Lisle im Kontext des Ersten Koalitionskrieges mit der Kriegserklärung gegen Österreich im Jahr 1792. Die österreichische Antwort ist, im Zuge der Bedrohung durch das revolutionäre Frankreich, die Kaiserhymne Gott erhalte Franz, den Kaiser von 1797. Auf der einen Seite also das revolutionäre, auch blutrünstige Pathos, auf der anderen Seite die Verteidigung, der konservative Ton.

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Jubiläum: 65 Jahre BW

Baden-Württemberg blickt als Bundesland auf 65 Jahre Geschichte zurück. Die Landeszentrale Politische Bildung hat zur Entstehungsgeschichte des Bundeslands ein Themenportal erstellt.

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