Landeskunde Baden-Württemberg

 

"Schutzhaft" für Eugen Bolz

In der Zwischenkriegszeit und im „Dritten Reich“ wurde erneut deutlich, wie Willkürjustiz als Mittel der Herrschaftspraxis eingesetzt wurde. Unter der Perspektive einer geradezu tragischen Ironie ist der Zentrumspolitiker Eugen Bolz (1881–1945) zu sehen, der als württembergischer Justizminister Anfang der 1920er-Jahre selbst das neu geschaffene Instrument der „Schutzhaft“ als „Zwangs- oder Vorbeugungsmittel zur Wahrung der öffentlichen Sicherheit“ ohne richterliche Anordnung gegen Kommunisten wie Walter Häbich (1904–1934) einsetzte und rechtfertigte. Bolz gestaltete die junge Weimarer Demokratie in Württemberg als durchaus wehrhaft gegen Linksextreme aus, die Gefahr von rechts aber unterschätzte er. Wiederholt wehrte er sich gegen die restriktive Auslegung des Republikschutzgesetzes in Württemberg, wohlwissend, dass er das Land damit zum Eldorado für rund einhundert rechtsradikale Verbände und ihre in anderen Teilen des Reiches „verbotenen Agitatoren“ machte.

Die Nationalsozialisten, die sofort nach der Machtübergabe massenhaft vom Einschüchterungsmittel „Schutzhaft“ Gebrauch machten, schlugen nun gegen beide Gegner zurück. Walter Häbich, der nach 1923 auch 1925 und 1932 nochmals auf dem Hohenasperg gewesen war, wurde im Juni 1934 im Konzentrationslager Dachau ermordet. Eugen Bolz wurde am 19. Juni 1933 in „Schutzhaft“ genommen und auf den Hohenasperg verbracht, den die Nationalsozialisten neben den Lagern auf dem Heuberg bei Stetten am kalten Markt, Ulm (Oberer Kuhberg) und Welzheim zur Internierung ihrer politischen und weltanschaulichen Gegner nutzten. Bolz kam am 12. Juli frei, nachdem seine Partei, das Zentrum, ihre „freiwillige“ Auflösung an die Entlassung ihres Spitzenpolitikers knüpfte. Im Januar 1945 wurde Bolz von den Nationalsozialisten hingerichtet, weil er auf der Liste der Verschwörer des 20. Juli 1944 für die Zeit nach dem Umsturz als Innenminister geführt worden war.