Landeskunde Baden-Württemberg

 

Schubart blieb Freiheitskämpfer

Zunächst "genoss" Schubart auf dem Hohenasperg ein streng religiöses Erziehungsprogramm zur geistig-moralischen Disziplinierung. Nur Geistliche durften ihn besuchen, die Bibel war lange die einzig erlaubte Lektüre, das Schreiben war ihm am Anfang verboten. Die ersten 337 Tage seiner Haft verbrachte der Gepeinigte in strenger Isolierung in einer düsteren Einzelzelle im später nach ihm benannten Turm. Nach einem Jahr wurde die Haft gelockert – die Disziplinierung zeigte wohl "Erfolge". Immer öfter schrieb und sprach Schubart nun von Reue und Gnade. Noch immer aber empörte sich der Staatsgefangene gegen Herrscherwillkür und schrieb sein Gedicht "Die Fürstengruft" (1780), das den jungen Schiller stark beeindruckte. Nun konnte der Delinquent auch wieder Besuche empfangen. Neben Schiller besuchte ihn auch der norddeutsche Aufklärer Friedrich Nicolai. Schubart wurde zum öffentlichen Häftling, seine Zelle zur Redaktionsstube.

Er schrieb das Gedicht "Die Forelle", in dem er vor allem in der letzten Strophe sein eigenes Schicksal thematisierte. Franz Schubert hat sie in seiner Vertonung von 1816/17 weggelassen.

Zum devoten Untertan hat sich der Rebell Schubart dennoch nicht beugen lassen. Zwar habe er alles auf dem Hohenasperg – bis auf seine Freiheit, schrieb er seiner Frau, aber sterben wolle er doch als der „alte Schubart“. Dennoch: Die beiden Kontrahenten, der Herzog und der politische Delinquent, arrangierten sich. In der Buchdruckerei der Hohen Carlsschule konnten die Werke des Dichters erscheinen – ein lukratives Geschäft für den Herrscher. 1787 schließlich entließ Carl Eugen seinen Intimfeind – nicht zuletzt auf den wachsenden öffentlichen Druck hin. Zugleich bot er ihm den Direktorenposten am Stuttgarter Hoftheater an. Schubart nahm die gut dotierte Stelle an und hatte noch vier Jahre Zeit für ein bürgerliches Leben – unter der Kontrolle des Herzogs.