Landeskunde Baden-Württemberg

 

Der "Fall Schubart"

Der prominenteste Häftling war und ist sicherlich der Journalist, Dichter und Musiker Christian Friedrich Daniel Schubart (1739–1791). „Bei Schubart denkt man an den Hohenasperg, beim Hohenasperg an Schubart“, so resümiert sein Biograf Bernd Jürgen Warneken. Die zehn Jahre, die der wortgewaltige Streiter für Meinungsfreiheit auf dem Hohenasperg eingesessen hat, haben sich vor sein literarisches Gesamtwerk gestellt. Dafür hat Schubart den „Tränenbuckel“ geradezu zur Wallfahrtstätte für Freiheitsliebende gemacht. Hier wurde Schubart zum Idol der Anhänger der Revolution von 1848, die ihm in großer Zahl auf den „Tränenbuckel“ folgen sollten.

 Es waren zwei besondere Charakterköpfe, die da aufeinandertrafen, und beide sind ohne einander kaum zu denken: Auf der einen Seite der hagere Herzog Carl Eugen, von manchen Zeitgenossen als Bildungsreformer geschätzt, aber vielen seiner Untertanen als Peiniger bekannt. Auf der anderen Seite der wuchtige Pfarrerssohn und höchst populäre Querdenker Schubart, der in seiner politisch-literarischen Wochenschrift "Deutsche Chronik" gegen den Herzog wetterte, dessen Lieblingsprojekt, die Hohe Carlsschule, er als „Sklavenplantage“ anprangerte und darüber hinaus auch gegen die Jesuiten schrieb, was ihn unter den katholischen Herrschern ganz Europas höchst unbeliebt machte.

Ohne Anklage und ohne Urteil kam Schubart 1777 nach einer auch von Zeitgenossen als skandalös gewerteten Entführung auf den Hohenasperg. Schubart, die „freie“ Luft der Reichsstädte Aalen und Ulm gewohnt, war von den Häschern des Herzogs nach Blaubeuren auf württembergisches Gebiet gelockt worden, um festgesetzt werden zu können. Die Motive des aufgeklärt-absolutistischen Herrschers sind nicht endgültig geklärt, aber anders als noch im Falle des Joseph Süß Oppenheimer ging es nun im Gefängnis der Aufklärung nicht mehr um körperliche Züchtigung und um ein öffentlich dargestelltes „abscheuliches Exempel“, sondern darum, die Gesellschaft „von diesem ansteckenden Gliede zu reinigen“. Keine Herrscherrache also, sondern Strafe zur Vorbeugung und zur Besserung mit landesväterlicher Erziehungsabsicht.