Landeskunde Baden-Württemberg

 

Hermann Müller (1876-1931)

Bild: Bundesarchiv

Als letzter parlamentarisch legitimierter Reichskanzler der Weimarer Republik zählte Hermann Müller zu den Schlüsselfiguren der Weimarer Zeit: Er brachte die revolutionäre Rätebewegung auf einen friedlich-parlamentarischen Kurs, unterzeichnete als Reichsaußenminister den Friedensvertrag von Versailles, lenkte als Reichskanzler zwei Kabinette durch Krisenzeiten und brachte mit dem Young-Plan die endgültige Regelung der Reparationszahlungen auf den Weg. Zu Beginn seiner zweiten Kanzlerschaft schrieb er – im immer noch optimistischen Glauben an die Kraft der demokratischen Entwicklung: „Wir stehen am Beginn des neuen Weges in dem festen Vertrauen, daß es der rechte Weg ist und daß er nach oben führt.“ 

Hermann Müller wurde am 18. Mai 1876 in Mannheim geboren. Nach einer kaufmännischen Lehre wurde er Gewerkschaftsmitglied und trat in die SPD ein. Einige Jahre später erhielt er eine Anstellung als Redakteur der sozialdemokratischen »Görlitzer Volkszeitung«, wurde in Görlitz auch Stadtverordneter, und schließlich hauptamtliches Mitglied im Reichsvorstand der SPD. Aufgrund seiner Fremdsprachkenntnisse wandte er sich den internationalen Parteikontakten zu – und versuchte in dieser Funktion während des Ersten Weltkrieges noch mehrfach, gemeinsame Friedensresolutionen mit den europäischen Schwesterparteien der SPD auszuloten.

Politisches Wirken im Reichstag

1916 zog Müller in den Reichstag ein, wo er sich angesichts der zunehmenden Spaltung seiner Partei für eine Politik des Ausgleichs stark machte. Nach der revolutionären Umbruchsphase der Nachkriegszeit wurde er gemeinsam mit Otto Wels zum Reichsvorsitzenden der SPD gewählt. Er gehörte der Nationalversammlung, später auch dem Weimarer Reichstag an. Im Zeichen der in Deutschland mit Empörung aufgenommenen Friedensbedingungen übernahm Müller den ebenso undankbaren wie gemiedenen Posten des Reichsaußenministers und unterschrieb in dieser Funktion den Versailler Vertrag. In der Folge der Erschütterungen des Kapp-Lüttwitz-Putsches stellte er sich im März 1920 als Reichskanzler einer schwierigen Übergangsregierung zur Verfügung. Knapp acht Jahre später wurde er nach mühsamen Koalitionsverhandlungen zum zweiten Mal Kanzler – und erreichte mit großer Hartnäckigkeit und Verhandlungsgeschick nicht nur die vorzeitige Räumung des Rheinlandes, sondern auch eine endgültige Regelung der Reparationsfrage. Nachdem seine Regierung trotz dieser außenpolitischen Erfolge durch innenpolische Koalitionskrisen auseinander gefallen war, trat er im Frühjahr 1930 als Reichskanzler zurück.

In den folgenden Monaten gehörte Müller weiter dem Reichstag an und rief seine Fraktion dazu auf, das Präsidialkabinett Brünings zur Verhinderung schlimmeren Übels zu tolerieren, bevor er am 21. März 1931 an den Folgen einer Gallenoperation starb.


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