Landeskunde Baden-Württemberg

 

Heinrich Köhler (1878-1949)

Bild: LMZ

Heinrich Köhler war nicht nur Staatspräsident Badens und Reichsfinanzminister der Weimarer Republik, sondern wirkte auch als stellvertretender Ministerpräsident und Finanzminister Württemberg-Badens am politisch-demokratischen Neuaufbau nach 1945 mit. Er gilt als Exponent des badischen Zentrums und badischer Vater des Südweststaates. Geprägt durch die Erfahrungen des nationalsozialistischen Regimes stellte er seinen Einsatz für eine als „Erziehung zu Demokratie“ verstandene politische Bildung unter die Einsicht: „So wie früher der große Schlapphut noch nicht den Demokraten ausmachte, so auch jetzt nicht das viele Reden von Demokratie und das uferlose Projektieren. Demokratie verlangt Gesinnung und vor allem Taten.“

Heinrich Köhler wurde am 29. September 1878 in Karlsruhe geboren. Nach der Realschule wurde er zunächst als Finanzgehilfe tätig, später ging er als Zollamtsgehilfe nach Mannheim. Als überzeugter Katholik spürte er im protestantisch-liberal regierten Großherzogtum Baden einen besonderen Leistungsdruck. Er wurde zunehmend politisch aktiv, wandte sich dem badischen Zentrum zu und absolvierte eine rasche politische Karriere: 1911 wurde er Stadtverordneter in Karlsruhe, zwei Jahre später zog er als Abgeordneter in die Zweite Kammer des badischen Landtags ein. In der Folge des Ersten Weltkriegs amtierte er sieben Jahre lang als badischer Finanzminister – und war in dieser Zeit auch turnusmäßig zweimal Staatspräsident. Republikfeindliche Tendenzen wie den Hitlerputsch von 1923 lehnte er entschieden ab. 1927 wurde er zum Reichsfinanzminister berufen, im Jahr darauf zog er als Abgeordneter in den Reichstag ein.

Gründung des Südweststaates

Nachdem er in der Zeit des NS-Regimes zunehmend unter Druck geraten war, wurde Köhler nach 1945 von der amerikanischen Besatzungsmacht als Landesbezirkspräsident von Nordbaden und stellvertretender Ministerpräsident Württemberg-Badens eingesetzt. Mittlerweile fast 70jährig, widmete er sich mit großem Engagement dem politischen, vor allem aber auch wirtschaftlichen Wiederaufbau. Als Urbadener stand er der Gründung eines vereinigten Südweststaates anfangs noch skeptisch gegenüber. Vor dem Hintergrund der Einsicht, dass nur ein Bund ähnlich starker Teilstaaten ein festes Fundament für einen westdeutschen Staat schaffen konnte, stellte er badische Eigeninteressen jedoch bald zurück und erwies sich als ein strategischer Vordenker der Bundesrepublik.

Er starb am 6. Februar 1949 in Karlsruhe.


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„Momente“ ist die populärwissenschaftliche historische Zeitschrift in Baden-Württemberg. Hier finden Sie Informationen über Menschen, die die Politik und das Leben des deutschen Südwestens maßgeblich beeinflussten.

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