Landeskunde Baden-Württemberg

 

Trauer um Katharina

Die Trauer des Landes um Katharina war allgemein. Nicht nur der König wusste, was er mit ihr verloren hatte. Zar Alexander würde für den Vetter und Schwager nicht die gleichen Gefühle hegen wie für die geliebte Schwester. Gerüchte, dass Untreue des Württembergers Katharinas Tod mit verschuldet hätte, wurden natürlich auch in Sankt Petersburg vernommen. War Saluccis der Grabkapelle nachgebildetes kleines Mausoleum für die Gemahlin des russischen Gesandten auf dem Friedhof des Stuttgarter Weilers Heslach ein Signal an Alexander? Jedenfalls hatte Wilhelms „deutscher“ Ehrgeiz keinen Rückhalt mehr. Seinen „württembergischen“ gab der König nicht auf. Seine Monarchie sollte in Zusammenarbeit mit der führenden Schicht des Landes durch Förderung von dessen Entwicklung gefestigt werden. Hätte er sie neben Katharina noch energischer verfolgt?

Ein Gedicht Uhlands, vier Wochen nach ihrem Tod in Cottas Morgenblatt veröffentlicht, zeigt, dass die so überraschend und jung verstorbene Königin auch die Opposition gewonnen hatte. Er preist Katharina – ihr Name allein genügte als Überschrift – darin geradezu als „Volksmutter“. Im September desselben Jahres 1819 schlossen der König und der Landtag ihren Verfassungsvertrag; die innere Gründung des Königreichs war vollendet. Die Monarchie wurde zur gemeinsamen Sache der Württemberger. Immer noch lebte die breite Masse im Horizont ihrer Kirchtürme und allenfalls ihrer Oberämter, in denen die Integration oft recht heterogener Gebiete nur nach und nach vorankam. Es brauchte Zeit, bis auch „unten“ aus „Wirtembergern“, Reichsstädtern, Untertanen geistlicher und weltlicher Fürsten und Herren „Württemberger“ wurden. Aber das sollten sie werden, dazu wollten auch die Gebildeten beitragen.