Landeskunde Baden-Württemberg

 

Katharina – die „Volksmutter“

Außerdem hatte Wilhelm I. Katharina. Sozusagen aus dem Wochenbett heraus wurde die junge Königin auch „Landesmutter“. Am 30. Oktober 1816, König Friedrichs Todestag, gebar sie als erstes Kind dieser ihrer zweiten Ehe eine Tochter. Zwei Monate später begann sie mit der Organisation ihres ersten großen und bis heute nachwirkenden Werkes, eines zentralen und bald bis in die letzte Gemeinde des Landes hinein wirksamen Wohltätigkeitsvereins. „Wohltätigkeit“ war immer eine Aufgabe fürstlicher Frauen; neu war, wie Katharina wichtige Männer dafür in die Pflicht nahm.

Zunächst ihren eigenen, wie denn überhaupt zu fragen wäre, wie sehr der junge König den Rat seiner ihm geistig ebenbürtigen Frau suchte. Dann aber führende Männer der Hauptstadt, den großen Verleger Cotta, den vielseitigen Geheimrat Hartmann und andere, dazu mehrere Stuttgarter Damen. Wohltätigkeit war gerade jetzt dringend vonnöten, weil Missernten zu einer sehr ernsten Hungersnot geführt hatten, die mit Maßnahmen der Regierung allein nicht bewältigt werden konnte. Strenges Prinzip Katharinas war, keine Almosen zu geben, sondern den Bedürftigen zu helfen, sich selbst zu helfen. Not könne nur durch Arbeit überwunden werden. Dem sollte auch die Erziehung der Kinder der Armen zur Arbeit dienen.