Landeskunde Baden-Württemberg

 

Idylle und Metropolregion

Wer heute von dort oben ins Tal hinunterblickt, kann sich nur schwer vorstellen, wie schön diese Landschaft einst gewesen sein muss. Bauten der Industrie und des Verkehrs, wohin er schaut, das Stadion eines bekannten Fußballvereins, am Horizont der Fernsehturm lassen Wilhelms „Rosenstein“ fast unsichtbar werden. Nur die Weinberge des „Württembergs“ und die am Aufstieg liegende Kelter erinnern noch an Schillers Vierzeiler über den Namen „Wirtemberg“, der sich „von Wirt am Berg“ schreibe und den Dichter fragen lässt, ob „ein Wirtemberger ohne Wein“ ein Wirtemberger sein könne. Aber gerade hier verbindet direkter als gewöhnlich eine Linie Vergangenheit und Gegenwart. Was wir heute sehen, wurde von König Wilhelm I. von Württemberg – bei ihm, der selbst regieren wollte und konnte, darf man so sagen – begonnen: die erste Eisenbahn als Rückgrat der Industrialisierung, die staatliche Gewerbeförderung als ihr Impulsgeber, der Aufstieg armer und gedrückter Bewohner eines Agrarlandes zu selbstbewussten Gliedern einer Industriegesellschaft, die Verwandlung gerade auch dieser Gegend in eine reiche Metropolregion.

Der Büchsenmachergeselle Gottlieb Daimler aus Schorndorf, dessen Gründung heute diese Landschaft vor allem bestimmt, war einer der ersten, deren Ausbildung von Steinbeis’ „Zentralstelle“ gefördert wurden. Das Umfeld, das Daimler den Aufbau eines Weltunternehmens ermöglichte, wurde auch dadurch bestimmt, dass die von Wilhelm zu Bürgern gemachten Württemberger an der Politik des Königreichs maßgeblichen Anteil gewannen. Neben den sterblichen Überresten der Königin Katharina bewahrt der Sarkophag in der Gruft der Grabkapelle auf dem Württemberg auch die ihres Gemahls. Die Kapelle erinnert an sie beide und ihr Werk.