Landeskunde Baden-Württemberg

 

Fortschritt durch Erziehung und Bildung

In sogenannten „Industrieschulen“ sollten sie nicht – wie man heute missverstehen könnte – zu Arbeitskräften der ohnehin kaum vorhandenen Industrie abgerichtet werden, sondern durch Handarbeiten in Ordnung, Fleiß und Sauberkeit eingeübt werden. Auch die bald darauf im ebenfalls organisatorisch engen Zusammenhang mit dem Wohltätigkeitsverein gegründete Sparkasse sollte den kleinen Leuten, Dienstboten, Tage- und Wochenlöhnern, Staats- und Gemeindebeamten in unselbstständiger Stellung Gelegenheit bieten, auch kleinste Ersparnisse zinsbringend sicher anzulegen. Die höchstmögliche Einlage betrug zunächst nur 100 Gulden, um die Sparkasse für die „Kapitalisten“, die nicht von ihrer Hände Arbeit, sondern von den Erträgnissen ihres Geldvermögens lebten, uninteressant zu machen. Bis zur Landesbank Baden- Württemberg war es noch ein weiter Weg.

Erziehung zum Fortschritt war nicht nur eine Aufgabe der Anstalten für arme Waisen und andere arme Kinder. Auch die Töchter der „höheren Stände“ sollten besser gebildet werden. Nach dem Vorbild eines unter dem Patronat ihrer Mutter stehenden Sankt Petersburger Instituts gründete Katharina im Sommer 1818 eine höhere Mädchenschule mit Internat, die nach ihrem Tod ihren heutigen Namen erhielt, das Königin-Katharina-Stift in Stuttgart. Der höheren Bildung diente auch die im gleichen Jahr gegründete Landwirtschaftliche Schule (und heutige Universität) Hohenheim. Sie wurde durch die Berufung des bedeutenden Agrarwissenschaftlers Johann Nepomuk Schwerz zu einer führenden Hoch- schule des damaligen Deutschland.

Auch dafür war Katharina energisch tätig, unterstützt von Wilhelm, der ein „König der Landwirte“ sein wollte. Überall im Land wurden Vereine gegründet, deren Spitze eine mit der Staatsverwaltung engstens verbundene Zentralstelle für die Landwirtschaft bildete. Wie wichtig dem König der noch wichtigste Wirtschaftszweig seines Landes war, zeigte er an seinem Geburtstag 1818 mit der Stiftung des Landwirtschaftlichen Hauptfestes, das bis heute jeden Herbst als Cannstatter Volksfest in der Mitte zwischen Rosenstein und Rotenberg stattfindet. Ein weiteres ihrer Projekte, das Stuttgarter Katharinenhospital, wurde erst nach Katharinas Tod verwirklicht.