Landeskunde Baden-Württemberg

 

„Ein Tempel, wie man sie in Rom und Griechenland findet“

Jedenfalls hatte Wilhelm, schon bald nachdem Katharina am 9. Januar 1819 – erst 30 Jahre alt – überraschend gestorben war, beschlossen, die Stammburg seines Hauses abbrechen und an deren Statt auf der höchsten Stelle des Berges eine würdige Grablege für seine Frau und sich selbst errichten zu lassen. Diese Kapelle ist bis heute fast unverändert geblieben und wird jedes Jahr von rund 30 000 Menschen besucht; zehn Mal so viele, so wird geschätzt, genießen von dort oben den Blick ins Land. Kunstkenner erinnert der unverputzte klassizistische Zentralbau aus hellem Sandstein an das Pantheon in Rom, vielleicht auch an das Pariser Panthéon, mehr noch an Andrea Palladios Villa Rotonda in Vicenza.

Der Rundbau trägt eine Kuppel und ist von einem großen Kreuz bekrönt. Monumentale Freitreppen mit hohen Opferschalen führen zu drei übergiebelten ionischen Portiken, durch dessen vordersten man das Innere betritt. Eine Öffnung im Scheitel der Kuppel lässt in den fast leeren Raum Tageslicht herein. Vier überlebensgroße Statuen aus Carrara-Marmor stellen die Evangelisten dar, Werke von Johann Heinrich Dannecker und Berthel Thorvaldsen, ausgeführt von dessen schwäbischen Schülern. Eine Ikonostase, die Bilderwand einer russisch-orthodoxen Kirche, verbirgt den Chor. Eine Öffnung im Mosaikfußboden leitet Licht in die darunterliegende Gruft. Dort stehen zwei Sarkophage, für Katharina und Wilhelm der eine, für beider Tochter Marie der andere. Büsten der anderen württembergischen Könige – die anderswo begraben sind – deuten ein Memorial ihres Hauses an.