Landeskunde Baden-Württemberg

 

Ehrgeiz und Eros

Ihre Ehe hatte in echter Liebe und gemeinsamem Ehrgeiz eine feste Basis gehabt. Unerfahren waren beide nicht mehr, als sie sich 1814 „fanden“, auch politisch nicht. Die Tochter des Kaisers Paul von Russland und einer Schwester Friedrichs, also Wilhelms Cousine, war schon als junges Mädchen ihrem elf Jahre älteren Bruder Alexander, der seinem Vater als Kaiser nachgefolgt war, zur vertrauten Beraterin geworden. Schon ihre erste Heirat war politisch gewesen; Napoleon sollte keine russische Großfürstin zur Frau bekommen! Ihre glückliche und mit zwei Söhnen gesegnete Ehe mit einem nachgeborenen Prinzen des Hauses Oldenburg hatte nicht lange gedauert.

1812 war Georg von Oldenburg im Kampf gegen den französischen Aggressor, an dem auch sie sich energisch beteiligt hatte, an der Folge einer Infektion gestorben. Nach einem psychischen und physischen Zusammenbruch hatte sie auf einer großen Reise neue Erfahrungen und einen neuen Mann gesucht. Der Kronprinz des kleinen Königreichs Württemberg war nicht ihre erste Priorität gewesen. Aber ihr gefiel der Ehrgeiz des Vetters. Im neuen Deutschland konnte dem gut aussehenden Offizier das militärische Ansehen, das er sich im Krieg gegen Napoleon erworben hatte, zu einer führenden Stellung verhelfen. Vielleicht nicht zum Kaiser eines neben Österreich und Preußen „reinen Deutschland“, aber doch wenigstens zum Bundesfeldherrn schien er prädestiniert.