Landeskunde Baden-Württemberg

 

Der Architekt der Königin

Wir wissen, dass Wilhelm zunächst an eine „Kapelle im teutsch-gotischen Geschmack“ gedacht hatte, entworfen von einem deutschen Architekten. Aber dann entschied er sich für den klassizistischen Entwurf eines Italieners, Giovanni Salucci, den er 1817 – auch auf Wunsch Katharinas – als premier architecte de roi berufen hatte. Den Anhänger der Französischen Revolution, der unter Napoleon eine militärische Karriere als Ingenieur gemacht hatte – während der „Hundert Tage“ nach Napoleons Rückkehr aus Elba hatte er sich nochmals dem Kaiser angeschlossen –, hatten die beiden bei Freunden Katharinas in Genf kennengelernt.

Er sollte ihnen in Weil bei Esslingen einen Landsitz bauen, im heiteren italienischen Landhausstil, wie sie ihn in Genf gesehen hatten. Er hat diese Aufgabe auch technisch mit Bravour gelöst. Erst 1811 war in Paris eine erste Eisenkonstruktion für ein Oberlicht entworfen worden, eine im Hochbau bis dahin unbekannte Verwendung dieses Materials. Für die Grabkapelle auf dem Rotenberg wird Salucci „sein System“ ein weiteres Mal anwenden.

Bald nach der Kapelle durfte „Katharinas Architekt“ im selben palladianischen Stil etwas oberhalb von „Bellevue“ mit Wilhelms eigenstem Schloss Rosenstein (heute Staatliches Museum für Naturkunde) ein weiteres großes Projekt verwirklichen. Wollte der König mit diesem Schloss an dieser Stelle, mit Blick hinüber zum Rotenberg, ein weiteres Mal an Katharina erinnern, mit der er hier hatte leben wollen? Wollte er gar in diesem noch fast unverbauten romantischen Tal des wichtigsten württembergischen Flusses mit Weil, Rotenberg und Rosenstein eine „Königslandschaft“ schaffen, mit Bauten einer an Katharina erinnernden einheitlichen Architektur?