Landeskunde Baden-Württemberg

 

Definitive Gründung des Königreichs

Wilhelm verfolgte die gleichen Ziele wie sein Vater, doch agierte er ungleich geschickter. Ein taktischer Rückzug öffnete ihm den Weg zu einer Verfassung, die ihm alle Rechte ließ, die er unbedingt zu brauchen glaubte. Dafür schlug er die Teilung des künftigen Landtags in zwei Kammern vor – und spaltete damit die heterogene Opposition. Die früher reichsunmittelbaren „Standesherren“ sollten ein Oberhaus bekommen, zusammen mit vom König berufenen weiteren Mitgliedern. Aber weil ein neues Gesetz nur bei Zustimmung beider Kammern zustande kam, konnten sie ihre feudalen Privilegien nochmals 30 Jahre lang bewahren; erst 1848 kam es zu deren Aufhebung. In der Abgeordnetenkammer sollten die 71 Vertreter des Volkes nicht unter sich sein. 17 Abgeordnete der Ritterschaft, sechs der beiden Kirchen und der Kanzler der Universität Tübingen, zusammen ein Viertel der Mitglieder, unterstützten wie erwartet den König und seine Regierung so gut wie immer.

Wahlrecht und Wahlverfahren für die anderen drei Viertel machten die Oberamtmänner – die weisungsgebundenen Beamten des Staats in der Fläche – und die Reicheren jeder Gemeinde zu Herren der Wahlen, schon deshalb, weil die Wähler offen abstimmen mussten. Auch konnte die Krone einen schwierigen Landtag drei Jahre lang anstehen lassen und überhaupt in jeder Hinsicht kurz halten. Denn Gesetze waren nur da notwendig, wo es um „Freiheit und Eigentum“ der Bürger ging, nicht zuletzt um den für drei Jahre gültigen Etat. Das blieb alles im Rahmen des damals Üblichen, war sogar vergleichsweise fortschrittlich. Das Königreich Württemberg sollte fortan ein moderner Rechts- und Verwaltungsstaat sein, in dem sich die Gemeinden – von der staatlichen Bürokratie streng beaufsichtigt – selbst verwalteten. Die Bürokratie ihrerseits kontrollierte sich selbst, schon allein deshalb, um dem Landtag nicht Gelegenheit zu parlamentarischer Kritik zu bieten.