Landeskunde Baden-Württemberg

 

„Das war der König“

1824, im Jahr der Einweihung der Grabkapelle auf dem „Württemberg“, erschien der wohl erste „Historische Roman“ der deutschen Literatur, Lichtenstein. Sein 22-jähriger Verfasser, Wilhelm Hauff, lebte als Hauslehrer in der Familie eines als Chef des Kriegsministeriums König Wilhelm nahestehenden Mannes. Eine der Episoden des Romans könnte deshalb sehr wohl eine Botschaft aus dem inneren Kreis der Monarchie transportiert haben.

Auf seine eben jetzt von seinen Feinden niedergebrannte Stammburg blickend, erzählt der landflüchtige Herzog Ulrich einen Traum. Er habe an ihrer Stelle einen Tempel gesehen, „mit Säulen und Kuppel, wie man sie in Rom und Griechenland findet“, auch Menschen in fremden Kleidern, einen Mann mit den Zügen seines Bruders Georg – eine Fußnote weist darauf hin, dies sei „der Stammvater des jetzigen Regentenhauses“ –, der einen schönen Knaben an der Hand führte. Auf seine Frage, wer dieser Mann sei, habe man ihm geantwortet, das sei der König. Soll damit gesagt werden, dass die Grabkapelle so für das große Königreich stehe, wie die verschwundene Stammburg für das so viel weniger bedeutende alte Herzogtum?

Wie auch immer: König Wilhelm wird fortsetzen, was er mit Katharina begonnen hat. Immer sah er über die engen Grenzen seines Landes hinaus. Mit als erster erstrebte er über einen Zollverein eine engere Einheit Deutschlands. Erst spät in Angriff genommen, verband die staatliche Eisenbahn das Land mit den Wasserwegen in die Ferne. Nach 1848/49 ließ sich Wilhelm überzeugen, dass sein Land nicht Agrarland bleiben könne.

Neben die Zentralstelle für die Landwirtschaft trat eine Zentralstelle für Gewerbe und Handel. Ihr Leiter Ferdinand Steinbeis erzog nach dem bewährten Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ die württembergischen Gewerbetreibenden für den Weltmarkt und trieb sie geradezu in ihn hinein. Was das Ausland zu bieten hatte, wurde studiert und nachgeahmt, junge Leute zu Studium und Praxis in die Ferne geschickt, ein gewerbliches Schul- und Fortbildungswesen organisiert. Als König Wilhelm 1864 starb und in der Gruft der Grabkapelle auf dem Rotenberg bestattet wurde, hatte er in der Welt der Großen eine größere Rolle nicht spielen können, wohl aber sein Königreich auf überkommenen Grundlagen zu einem modernen Staat gemacht.