Landeskunde Baden-Württemberg

 

Geteilte Meinungen in Baden

In Baden dagegen waren die Meinungen geteilt. Im nördlichen Landesteil überwog die positive Einstellung; insbesondere dort, wo es schon vorher in manchen Bereichen einen Austausch gegeben hatte, sah man neue Möglichkeiten wirtschaftlicher Zusammenarbeit. Das schloss allerdings die Sorge um Autonomieverluste nicht aus. Und in Südbaden, das ja seit 1945 als selbstständiger kleiner Staat existiert hatte, überwog das Misstrauen und wurde die Angst vor dauernder Marginalisierung geschürt. Dieser grobe Befund ist nicht das Ergebnis spekulativer Rekonstruktion, sondern er lässt sich belegen (und weiter differenzieren) mit den Ergebnissen der Abstimmung, die über die Bildung des Südweststaats entschied.

Im Blick auf die Grenze a. D. bedeutet dies, dass sie sich in Baden eher in der Erinnerung hielt, während sie in Württemberg sehr viel seltener ein Thema blieb, weil man in der neu geschaffenen politischen Struktur kein Problem sah. Die Erinnerungen an die Grenze, die in der Folge aufgeschlüsselt werden sollen, sind deshalb ganz überwiegend in Baden zu finden – aber meist ist darin nicht von Baden die Rede, sondern von Württemberg und den Württembergern, von denen man sich abgrenzt. Die Abgrenzung bezieht sich vor allem auf wirkliche oder vermeintliche Unterschiede zwischen den früher voneinander getrennten Räumen, also auf mittelbare Folgen der Grenzziehung. Dass die Erinnerung an der konkreten ehemaligen Grenze haftet, ist die Ausnahme – ihr Verlauf ist ja auch über weite Strecken unsichtbar und nur in Abständen durch besondere Markierungen hervorgehoben.