Landeskunde Baden-Württemberg

 
Bis an den Bodensee reicht das heutige Oberschwaben, von der Donau im Norden, von der badischen Grenze im Westen bis zur bayerischen Grenze im Osten. Das Bild zeigt das Montfortschlösschen, das sich König Wilhelm I. von Württemberg in Langenargen errichten ließ und das 1866 fertig gestellt wurde. Foto: LMZ Baden-Württemberg, Sven Grenzemann

Die Folgen der napoleonischen Neuordnung Süddeutschlands

Bayern, Baden und Württemberg waren im Süden Deutschlands die Gewinner. Es entstanden neue Mittelstaaten, verbunden mit der Rangerhöhung zum Königreich (Bayern, Württemberg) oder Großherzogtum (Baden). Die Teile, die Bayern sich sichern konnte, hießen künftig Bayrisch-Schwaben; die nunmehr württembergischen Teile hießen Oberschwaben oder auch Oberland, wenngleich traditionell „Oberland“ die Bezeichnung der Gebiete oberhalb der Stuttgarter Weinsteige war.

Somit bezeichnet Oberschwaben seit der Zeit Napoleons das württembergische Gebiet südlich der Donau bis zum Bodensee, westlich der bayrischen und östlich der badischen Grenze. Eine Verengung des Begriffs also, aber eine sinnvolle, weil hier seit nunmehr 200 Jahren Herrschaftsgebiete entstanden sind, die ganz unterschiedlichen Einflüssen ausgesetzt waren. Die Einwohner des einen Gebietes sollten gute Bayern oder Badener werden, die anderen gute Württemberger. Darauf zielten die Integrationsbemühungen der neuen Staaten ab – mit mehr oder weniger Erfolg. Die darunterliegende Schicht der weiter ausgreifenden „Suevia superior“ blieb erhalten, mit Bauerntum, Kirche, Adel und Städten. Die Gebietsgewinne hatten Württemberg verändert, schon rein äußerlich: Nach Fläche und Einwohnerzahl hatte sich das Land verdoppelt.

Bis dahin war das Herzogtum ein geschlossenes protestantisch-lutherisches Gebiet gewesen, adelsfrei, ein Agrarstaat mit einer Sozialstruktur kleiner bäuerlicher Betriebe, im Gefolge der Realteilung als Erbsitte, nach der der gesamte Besitz im Erbfall unter den Geschwistern aufgeteilt wurde. Das hatte zu einer starken Besitz- und Siedlungszersplitterung geführt, die bis heute noch zu sehen ist. Es war somit ein Land mit einer vergleichsweise homogenen Sozialstruktur kleiner Landbesitzer, die zumeist mehr schlecht als recht durch den Tag kamen. Zuverdienst war gesucht, um die wirtschaftliche Lage zu verbessern. Der schwäbische Tüftler hat hier seinen Ursprung.