Landeskunde Baden-Württemberg

 

Flüchtlinge, Neubürger, Heimatvertriebene

Beim Thema „Flucht und Vertreibung“ ist Sprache von große Bedeutung, denn Worte können Wertschätzung oder Herabsetzung suggerieren.

 

Begriffe und Zahlen als Schlüssel zum Verständnis

Flüchtlinge, Vertriebene, Heimatvertriebene, Neubürger, das waren nach dem Zweiten Weltkrieg häufig synonym verwendete Begriffe für die Menschen, die zwangsweise ihre Heimat verlassen hatten. Mit Begriffen wurde Politik gemacht und gewertet: Wer von „Ostflüchtlingen“ redete, wollte oftmals die Betroffenen herabsetzen. Von Amts wegen wurden die Flüchtlinge und Vertriebene „Neubürger“ genannt. Damit wurde unter anderem auch betont, dass sie die gleichen Rechte hatten wie die „Altbürger“. In der DDR wurden sie beschönigend „Umsiedler“ genannt, weil man damit – im Einklang mit dem „großen Bruder“ Sowjetunion – kaschieren wollte, dass es gewaltsam Vertriebene aus dem kommunistischen Machtbereich waren. Die Vertriebenen selbst nannten sich „Heimatvertriebene“, um sich vom rasch zum Schimpfwort avancierten Begriff „Flüchtlinge“ abzugrenzen und um mit dem emotional besetzten Wort „Heimat“ ihr Schicksal zu unterstreichen.

Viele Vertriebene lebten zunächst in rasch eingerichteten Notwohnungen, ausrangierten Eisenbahnwaggons, Fabrikhallen, in Kellern oder in Notunterkünften mit lediglich einer Dachpappe über dem Kopf. Neben den drei großen Durchgangslagern in Weinsberg, Ludwigsburg und Ulm gab es noch im Jahr 1953 weitere 110 Lager im Südwesten. Noch Ende des Jahres 1954 lebten im Land rund 128.000 Menschen in solchen provisorischen Behausungen, für die der Volksmund rasch die abwertenden Bezeichnungen „Kleinkorea“, „Nissensiedlungen“ oder „Batschkahütten“ fand.

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