Landeskunde Baden-Württemberg

 

Der Erste Weltkrieg

Matrosen der kaiserlichen Marine liegen feuerbereit vor einem Befehlsstand. Foto: LMZ Baden-Württemberg
Matrosen der kaiserlichen Marine liegen feuerbereit vor einem Befehlsstand. Foto: LMZ Baden-Württemberg

Im Juli 1914 kam es zu einer Krise: Der österreichische Thronfolger war in Sarajevo ermordet worden, Serbien weigerte sich, Österreich freie Hand in seinen innenpolitischen Angelegenheiten einzuräumen, Russland trat als Schutzmacht Serbiens auf und Deutschland schwor Österreich die vielgerühmte Nibelungentreue. Das Ergebnis war der Beginn des Ersten Weltkrieges am 1. August 1914. Die Politik des badischen Großherzogs und des württembergischen Königs unterschieden sich dabei kaum. Zwar beurteilten die beiden Regenten und ihre Regierungen die Erfolgsaussichten recht skeptisch, entscheidenden Einfluss konnten sie aber nicht ausüben. Die Reichsverfassung schrieb vor, dass die Truppen unter einheitlichem preußischem Befehl marschierten. Größere Teile des Kleinbürgertums waren im August in einen Kriegstaumel verfallen, dass aber die ganze Bevölkerung den Krieg begrüßt hätte, lässt sich nicht nachweisen. Schon bei der Mobilisierung der Armee äußerten Arbeiter und Großbürger ihre Ablehnung des Krieges.

Militärisch waren die badischen Truppen schon seit 1871 in die preußische Armee eingegliedert worden. Württemberg hatte zwar mit dem XIII. Armeekorps einige Sonderrechte erhalten, mit der Mobilmachung aber dauerhaft verloren. Der Wunsch nach einem eigenen Armeekorpskommandeur aus dem Hause Württemberg wurde erst 1916 durch die Berufung von Herzog Albrecht von Württemberg Wirklichkeit.

In Baden war mit Kriegsbeginn gefürchtet worden, französische Truppen könnten dort eindringen und Baden damit Kampfplatz werden. Der Stellungskrieg fand aber weiter westlich statt, so dass Kriegszerstörungen in Württemberg und Baden weitgehend ausblieben. Allerdings traf die badische Hauptstadt der schwerste Bombenangriff des Ersten Weltkrieges, als durch den Treffer in ein Wohnhaus mehrere Menschen, vornehmlich Freuen und Kinder, zu Tode kamen. Auch in Freiburg waren bei Luftangriffen mehr als 30 Menschen ums Leben gekommen.

Kaiser Wilhelm II. verteilt Eiserne Kreuze an die Soldaten Foto: LMZ Baden-Württemberg
Kaiser Wilhelm II. verteilt Eiserne Kreuze an die Soldaten Foto: LMZ Baden-Württemberg

Das Ende des Krieges

Die Versorgungslage verschärfte sich mit zunehmender Kriegsdauer. Spätestens ab 1916 war der Mangel allgemein spürbar. Die ländlichen Regionen konnten sich noch selbst versorgen, doch insbesondere in den Städten hungerten die Menschen. Der berühmte Steckrübenwinter 1917 schwächte die Menschen zusätzlich, Hamsterkäufe und das Tauschen von Nahrungsmitteln bei Bauern gegen Wertgegenstände half nun auch nicht mehr. Weil Brennstoffe wie Kohle, Holz, von Kraftstoffen ganz zu schweigen, äußerst knapp waren, lief man Gefahr zu erfrieren.

Die Jahreswende 1917/18 brachte keine Besserung. Der Stellungskrieg in Frankreich war nicht mehr zu gewinnen. Die Chance, mit den Alliierten einen Verhandlungsfrieden zu erreichen, war nach vielversprechenden Versuchen 1916/17 praktisch auf Null gesunken. Der U-Boot-Krieg, der seit 1917 „uneingeschränkt“ geführt wurde und sich gegen alles richtete, was schwamm, zeigte keine Erfolge, sondern hatte nur zum Kriegseintritt der USA geführt. Nur im Osten sah es aus deutscher Sicht besser aus: Das Zarenreich hatte kapituliert und im Frieden von Brest-Litowsk Waffenstillstand und Gebietsabtretungen zugestanden. Russland widmete sich nun seinen innenpolitischen Problemen infolge der Oktoberrevolution. Durch das Ausscheiden Russlands war der Zweifrontenkrieg endlich aufgelöst worden. Langfristig hatte Deutschland aber den verstärkt agierenden Amerikanern in Anzahl der Soldaten und dem nach Europa verschifften Kriegsmaterial nichts entgegenzusetzen.

Ebenso wie schon in Russland im Jahr zuvor nahm nun auch im ausgehungerten Deutschland die Kriegsmüdigkeit zu. Immer wieder kam es zu Streiks und Meutereien. Es regte sich auch immer größerer innenpolitischer Widerstand. Um die Ehre der Armee zu retten, schoben die Generäle die Verantwortung zuletzt den Politikern zu und überließen es ihnen, um Frieden nachzusuchen. Dem Kaiser legten sie den Heldentod oder die Abdankung nahe. Doch Wilhelm II. floh nach Holland ins Exil.

Kaiser Wilhelms Reichskanzler Prinz Max von Baden verkündete am 9. November 1918 das Ende der Monarchie und ernannte den Sozialdemokraten Friedrich Ebert zum neuen Reichskanzler. Zwei Tage später, am 11. November 1918, unterzeichnete die neue deutsche Regierung, vertreten durch Staatssekretär Matthias Erzberger, im Wald von Compiègne (nördlich von Paris) einen Waffenstillstand. Dieser Vertrag kam einer bedingungslosen Kapitulation gleich, d. h., das Deutsche Reich erkannte seine Niederlage an und ergab sich, ohne irgendwelche Bedingungen zu stellen.

Ebenfalls am 9. November 1918 hatten sich die Mehrheitssozialdemokratische Partei Deutschlands (MSPD) und die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) auf die Bildung eines „entscheidenden Kabinetts“ geeinigt, das die Regierungsgeschäfte bis zum Zusammentritt einer noch zu wählenden Nationalversammlung führen sollte. Der Rat der Volksbeauftragten war ein sechsköpfiges paritätisch besetztes Kabinett, bestehend aus USPD- und MSPD-Politikern unter der Führung des Reichskanzlers Friedrich Eberts (MSPD) und Hugo Haases (USPD). Weitere Mitglieder waren Philipp Scheidemann und Otto Landsberg von der MSPD, sowie Emil Barth und Wilhelm Dittmann von der USPD.

Einen Tag nach der Unterzeichnung des Waffenstillstandes in Compiègne am 11. November 1918 durch Matthias Erzberger und Ferdinand Foch (Kriegsende 1. Weltkrieg) wurde der Rat der Volksbeauftragten in Berlin mit dem Aufruf "An das deutsche Volk" am 12. November 1918 gesetzgeberisch tätig.

Dieser Aufruf bedeutete einen erheblichen Schritt in Richtung einer neuen, demokratischen Gesellschaftsordnung. Im zweiten Teil des Aufrufs verkündete das "mit Gesetzeskraft" von da an geltende Recht. Wichtige Punkte waren z.B. die Meinungsfreiheit (Punkt vier) und die Religionsfreiheit (Punkt fünf).
Am Ende der Erklärung stand die Ankündigung eines neuen Wahlrechts, erstmals auch für Frauen (Frauenwahlrecht):
Alle Wahlen zu öffentlichen Körperschaften sind fortan nach dem gleichen, geheimen, direkten, allgemeinen Wahlrecht auf Grund des proportionalen Wahlsystems für alle mindestens 20 Jahre alten männlichen und weiblichen Personen zu vollziehen".

Im Januar 1919 war es erstmals so weit: Bei den ersten demokratischen Wahlen können Frauen und Männer wählen und gewählt werden – am 5. Januar 1919 zur Badischen Nationalversammlung, am 12. Januar 1919 zur Nationalversammlung in Württemberg und schließlich am 19. Januar 1919 zur Deutschen Nationalversammlung.

Wegen der Unruhen und Strassenkämpfe trat die verfassungsgebende Deutsche Nationalversammlung nicht in der Hauptstadt Berlin sondern in Weimar zusammen. Daher nennt man den damals entstandenen Staat „Weimarer Republik".

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