Landeskunde Baden-Württemberg

 

Die Bedeutung von Grenzen

All das ändert aber nichts daran, dass jene Staatsgrenze auf das Handeln und Denken der Bevölkerung eine starke und vielfältige Wirkung ausübte. Vor dem Beitritt Badens zum Deutschen Zollverein im Jahr 1836 war der Grenzübertritt ein kleines Abenteuer; der Schmuggel spielte in den Erfahrungen, mehr noch in den Erzählungen der Leute eine Rolle. Die Frage nach der Bedeutung einer Grenze darf aber nicht an dieser selbst hängen bleiben; vielmehr schaffen Grenzen räumliche Einheiten und damit Vorgaben, welche das Leben der Bevölkerung wesentlich bestimmen – Verwaltungs- und Rechtsvorschriften, Arbeits- und Verkehrsbedingungen, aber auch kulturelle Traditionen.

Die meisten Akte der Kommunikation und der Orientierung laufen innerhalb der Grenzen ab. Dies stärkt das Gefühl der Zusammengehörigkeit, das zudem durch die Regierungen gefördert und auch gefordert wird, in den Zeiten monarchischer Verfassung symbolisch überhöht durch das Herrscherhaus, aber auch in den Republiken propagiert. Was im Blick auf die Bildung der Nationen oft herausgestellt wurde, gilt auch für die Länder, die dank der föderativen Struktur über die Reichsgründung hinaus sehr viel Autonomie bewahrten: Es entstand ein Wir-Gefühl, ein Identitätsbewusstsein, und dieses basierte nicht nur auf dem Geflecht im Innern, sondern auch auf der Abgrenzung nach außen.