Landeskunde Baden-Württemberg

 

Demonstrative Abgrenzung

Es gibt aber auch das Bekenntnis und die bewusste Abgrenzung vom anderen Landesteil und seinen Bewohnern. Diese generelle Feststellung muss allerdings schnell halbiert werden: Was sich der Beobachtung aufdrängt, ist das Bekenntnis zu Baden, das sich eine ziemlich kleine Gruppe von Separatisten zum Prinzip gemacht hat, das aber auch in größeren Teilen der badischen Bevölkerung in bestimmten Konstellationen lebendig ist. Voraussetzung ist meistens, dass Badener mit Württembergern konfrontiert sind. Dies kann bei größeren Ereignissen der Fall sein, etwa bei einem Fußballspiel der beiden in den Landesteilen führenden Mannschaften.

Die Fans des VfB Stuttgart zeichnen sich nicht unbedingt durch besondere Friedfertigkeit aus; aber die Anhänger des SC Freiburg verfügen über ein größeres Reservoir von Fertigteilen aggressiver Beschimpfung. Das beginnt mit dem Namen „Schwaben“, der in Baden ganz allgemein auf alle Württemberger gemünzt wird und oft einen pejorativen Beiklang bekommt, und geht weiter mit Spottliedern und plakativen Sprüchen. Der für das ganze Land eingekaufte Werbespruch „Wir können alles. Außer Hochdeutsch“ wird in Baden nicht selten als Plädoyer für die schwäbische Mundart interpretiert, was zu den Gegenparolen „Wir können alles. Auch Hochdeutsch“ oder „Wir können alles. Außer Schwäbisch“ führte.

Bei solchen Events wird oft auch das Badnerlied angestimmt, und zwar mit Vorliebe Textstrophen, die dem inzwischen anderthalb Jahrhunderte alten Lied erst nach der Bildung des neuen Landes Baden-Württemberg angehängt wurden. In ihnen geht es fast immer gegen die Schwaben, denen man keine Dummheit und keinen Makel erspart:

In Sipplingen ist das Seepumpwerk,
Da kommt das Wasser raus.
Mir Badner seiche fröhlich nei,
Und Schwabe saufet’s aus.