Landeskunde Baden-Württemberg

 

Schularten Baden-Württemberg

Tafelbild. Foto: Pixapopz, pixabay, CC0 Public Domain

An die vierjährige Grundschule schließen sich im baden-württembergischen Schulsystem folgende weiterführende Schulen an: Die Hauptschule, die Werkrealschule, die Realschule und die Gemeinschaftsschule mit der Option auf eine gymnasiale Oberstufe und das Gymnasium. Bei diesem Schulsystem gibt es keine verschiedenen Schularten mehr, sondern alle Kinder lernen bis zur 10. Klasse gemeinsam.

Daneben gibt es in Baden-Württemberg derzeit drei Gesamtschulen: In Heidelberg, Mannheim und Freiburg. Zusätzlich besteht ein flächendeckendes Angebot an Sonderschulen.

Nach fast 12 Jahren hat das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport 2016 einen neuen Bildungsplan vorgestellt. Darin wird der Bildungsplan von 2004 weiterentwickelt. Der Bildungsplan 2016 will insbesondere die Bildungsgerechtigkeit in Baden-Württemberg stärken. Dafür soll das Bildungssystem durchlässiger werden und bisherige Hürden beseitigt werden. Zudem wird auf eine stärkere individuelle Förderung Wert gelegt, um der Heterogenität unter den Schülern in Baden-Württemberg gerecht werden zu können.

Die ersten Teile der Bildungspläne 2016 sind bereits zum Schuljahresbeginn 2016/2017 eingeführt worden und sollen nun Schritt für Schritt ausgeweitet werden. Die Bildungspläne wurden unter Berücksichtigung der Bildungsstandards erstellt, welche die Kultursministerkonferenz (KMK) vorgibt. Ziel soll dabei eine Angleichung der Bildungssysteme in den einzelnen Bundesländern sein.

mehr zu den Bildungsplänen 2016

Grundschule

Die vierjährige Grundschule ist die gemeinsame Grundstufe des Schulwesens. Ihr Auftrag ist die Entfaltung der verschiedenen Begabungen der Kinder in einem gemeinsamen Bildungsgang. Kernanliegen ist es, jedes Kind seinen Lernmöglichkeiten entsprechend zu fördern. Gleichzeitig sollen die Grundschullehrer den Kindern, trotz der unterschiedlichen Lernvoraussetzungen und Lernerfahrungen, bis zum Ende der Grundschulzeit vergleichbare Grundkenntnisse und Fertigkeiten vermitteln. Baden-Württemberg hat  seit 2014 ein im Schulgesetz verankertes Ganztagsschulkonzept, das zwei Formen vorsieht: eine verbindliche Form, bei der alle Schüler der Schule am Ganztagsbetrieb teilnehmen und eine Wahlform, bei der an der Schule sowohl Ganztagsschüler, als auch Halbtagsschüler unterrichtet werden.

In den letzten Jahren kam es in der Grundschule zu einigen Reformen. Diese sollen die Förderung aller Kinder, ob lernschwach oder hochbegabt, verbessern. So wird die Einschulung heutzutage flexibler gehandhabt und es gibt ab der ersten Klasse Fremdsprachenunterricht in Englisch oder Französisch.

Mit dem Schuljahr 2012/2013 wurde die bislang verbindliche Schullaufbahnempfehlung am Ende der Grundschulzeit abgeschafft. Eltern haben nun das letzte Wort beim Wechsel der Viertklässler auf eine weiterführende Schule. Dabei werden sie durch eine regelmäßige Beratung der Grundschule von Anfang an unterstützt.

 

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Hauptschule und Werkrealschule

Im Anschluss an die Grundschule führt die Hauptschule die Schüler bis Klasse 9 und schließt mit einer landesweit zentralen Abschlussprüfung ab. Seit dem Schuljahr 2010/2011 gibt es in außerdem die Werkrealschule in neuer Konzeption. Sie ist der Hauptschule gleichgestellt, kann aber in einem durchgehenden Bildungsgang bis Klasse 10 zur Mittleren Reife führen oder nach der 9. Klasse zu einem Hauptschulabschluss. Auch besonders befähigte Schüler normaler Hauptschulen können ein zehntes Schuljahr absolvieren, das eine erweiterte allgemeine Bildung vermittelt. Es schließt mit einem Abschlussverfahren ab und vermittelt einen dem Realschulabschluss gleichwertigen Bildungsstand. 

Die Ausbildung an dieser weiterführenden Schulart ist stark berufsorientiert und stellt lebensnahe Aufgaben und Sachverhalte in den Vordergrund.

Die Schülerzahlen an Werkreal- und Hauptschulen gehen deutlich zurück. Zum Schuljahr?2015/16 wechselten nur noch 7,2?% der Viertklässlerinnen und Viertklässler von einer Grundschule auf eine Werkreal- und Hauptschule. Laut einer Modellrechnung des Statistischen Bundesamtes wird sich diese Zahl bis 2025 nochmals um die Hälfte reduzieren.

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Realschule

Über sechs Jahre bereitet die Realschule ihre Schüler auf einen Realschulabschluss vor. Während die Klassenstufen 5 und 6 als Orientierungsstufen gelten, können sich die Schüler ab Klasse 7 spezialisieren. Dann gibt es auch ein weiteres Kernfach: "Technik, Mensch und Umwelt" oder Französisch. Diese Differenzierung ermöglicht eine neigungsbezogene Schwerpunktsetzung.

Nach dem Erwerb des Realschulabschlusses stehen viele weitere Berufs- und Bildungswege offen. Eine Berufsausbildung in Industrie, Handwerk, Handel und Verwaltung kann durch den erfolgreichen Besuch einer Fachschule bis zur Fachhochschulreife führen. Dabei erwerben die Jugendlichen gleichzeitig einen staatlichen Abschluss, etwa als Techniker oder Betriebswirt.

Die Fachhochschulreife kann auch durch eine berufliche Ausbildung in einem Berufskolleg oder nach der Berufsausbildung durch den Besuch an einem einjährigen Berufskolleg erworben werden. Realschüler wählen häufig den Weg über ein berufliches oder allgemeinbildendes Gymnasium, um nach dem Realschulabschluss die Hochschulreife zu erwerben. Weiterhin gibt es bereits am Ende von Klasse 6 und 7 – in Einzelfällen auch später – die Möglichkeit, ein Aufbaugymnasium zu besuchen und damit ebenso die Hochschulreife zu erlangen.

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Gymnasium

Das Gymnasium baut in der Normalform auf der Grundschule auf und umfasst seit dem Schuljahr 2004/05 acht Jahre. Inzwischen gibt es in Baden-Württemberg allerdings auch 44 Modellschulen, in denen für das Gymnasium wieder neun Jahre eingeplant sind. Dieses Projekt ist bis 2024/25 angesetzt. Abgeschlossen wird das Gymnasium mit der Abiturprüfung. Mit dem Abitur wird die Zugangsberechtigung für ein Studium an einer Universität oder sonstigen Hochschule erworben. Deshalb heißt das Abiturzeugnis auch Zeugnis der allgemeinen Hochschulreife.

Mit einem Anteil von über 43 Prozent wechselt die Mehrzahl der Kinder in Baden-Württemberg von der Grundschule direkt auf das Gymnasium. Es bestehen aber noch weitere Möglichkeiten das Abitur zu erlangen, z.B. an den Aufbaugymnasien mit Internat. Diese Schulen wollen besonders die musischen, kreativen oder sportlichen Talente der Schüler fördern. Die Aufbaugymnasien beginnen erst in Klasse 7 und sowohl Gymnasiasten als auch Haupt- und Realschüler können auf sie wechseln. Außerdem gibt es in Baden-Württemberg eine Vielzahl von beruflichen Gymnasien, welche Schülern mit mittlerer Reife ermöglichen, die allgemeine Hochschulreife zu erwerben. 

Innerhalb des gymnasialen Bildungsgangs bestehen Differenzierungsangebote in bestimmte Profile und Fremdsprachenfolgen. Die meisten Schüler besuchen ein naturwissenschaftliches oder sprachliches Profil. Daneben führen einige Standorte Musik, Bildende Kunst oder Sport als Profil. Zunehmend finden sich neben den alten Sprachen sowie Englisch und Französisch weitere moderne Sprachen wie Spanisch, Portugiesisch, Italienisch, Russisch oder – als später beginnende Fremdsprache – Türkisch, Chinesisch und Japanisch. Weiterhin hat der Bildungsplan 2016 das Fach "Informatik" weiter in den Vordergrund gerückt. So wird seit dem Schuljahr 2017/18 ein "Aufbaukurs Informatik" in den siebten Klassen der allgemeinbildenden Gymnasien angeboten. In der Oberstufe wird in den beiden (drei) letzten Jahren im Kurssystem gearbeitet. Seit dem Schuljahr 2002/2003 bestehen neben den verbindlich zu absolvierenden Kernkompetenzfächern Deutsch, Mathematik und einer Fremdsprache zahlreiche Wahlmöglichkeiten innerhalb der Fächergruppen, aus denen zwei weitere Neigungsfächer zu wählen waren. Zusammen ergab das bislang eine Anzahl aus fünf Fächern, die auf höherem Niveau unterrichtet worden sind. 

Eine Reform der gymnasialen Oberstufe ist in Planung. Ab 2019 sollen die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe nur noch drei Leistungsfächer belegen. Das erste und zweite kann aus Deutsch, Mathematik, Fremdsprachen und Naturwissenschaften ausgewählt werden. Das dritte Leistungsfach ist frei wählbar, auch aus Musik, Bildende Kunst und Sport.Zudem soll die Abiturprüfung zukünftig aus drei schriftlichen und zwei mündlichen Prüfungen bestehen. Auch gilt ab 2019 die sogenannte "Null-Punkte-Regelung": Nur, wer in allen Fächern mindestens einen Punkt erzielt hat, bekommt die Abiturprüfung zuerkannt.

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Gemeinschaftsschule

Seit 2012 gibt es Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg und ihre Zahl wächst stetig. Während es zu Beginn noch 42 Gemeinschaftsschulen gab, sind es im Schuljahr 2016/2017 bereits 310. Eine Gemeinschaftsschule ist in den Klassenstufen 5-10 eine verpflichtende Ganztagsschule. In Gemeinschaftsschulen mit Sekundarstufe II kann das Abitur nach insgesamt 13 Schuljahren abgelegt werden. Besteht dieses Angebot nicht, können die Schülerinnen und Schüler nach Abschluss der 10. Klasse in die gymnasiale Oberstufe oder an ein berufliches Gymnasium wechseln. Auch der Beginn einer beruflichen Ausbildung ist möglich.

Die Gemeinschaftsschulen arbeiten zunächst in den Jahrgangsstufen 5 und 6 nach dem Bildungsplan der Realschule unter Einbeziehung gymnasialer Standards. Ein Ziel der im Dezember 2012 gestarteten Bildungsplanreform ist es, einen Bildungsplan zu erarbeiten, der die Grundschule und die Sekundarstufe I umfasst. Darin sollen verbindliche und gemeinsame Bildungsstandards enthalten sein, auf deren Grundlage Schülerinnen und Schüler in den verschiedenen Schularten lernen können.

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Sonderschulen und private Schulen

Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen besuchen die allgemeine Schule, wenn diese aufgrund der gegebenen Verhältnisse diesen Erziehungs- und Bildungsauftrag gewährleisten kann. Für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen und einem hohen sonderpädagogischen Förderbedarf steht ein ausgebautes und differenziertes Sonderschulwesen zur Verfügung. Hier können alle Bildungsabschlüsse der allgemeinen Schulen erreicht werden.
Seit dem Schuljahr 2015/16 gibt es in Baden-Württemberg keine Pflicht mehr zum Besuch einer Sonderschule, sondern Eltern können seitdem für ihre Kinder grundsätzlich auch das Angebot einer Regelschule in Anspruch nehmen.

Das Grundgesetz (Art. 7 Abs. 4 Satz 1) und das Privatschulgesetz Baden-Württembergs garantieren die Gründung und Existenz von Privatschulen. Im Land bestehen rund 400 private allgemeinbildende Schulen, darunter Abendrealschulen und -gymnasien, die Freien Waldorfschulen, private Sonderschulen und weitere berufliche Privatschulen.

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Berufliche Schulen

Die öffentlichen und privaten beruflichen Schulen (einschließlich Schulen des Gesundheitswesens) in Baden-Württemberg werden von rund 442.400 Schülern (2015/ 2016) in Voll- oder Teilzeit besucht. Die Berufsschule ist der größte Bereich des beruflichen Schulwesens. Sie gliedert sich in weitere sechs Schularten, die sich in ihrer Dauer und inhaltlich stark voneinander unterscheiden können. Das wesentliche Qualitätsmerkmal ist dabei die enge Verknüpfung von Theorie und Praxis, die an zwei Lernorten vermittelt werden: im Betrieb und in der Berufsschule. Dieses duale System eröffnet allen jungen Menschen die Möglichkeit, einen qualifizierten Beruf zu erlernen, der sie befähigt, anschließend direkt in das Arbeitsleben einzusteigen. Derzeit beginnen rund zwei Drittel eines Altersjahrgangs mit einer dualen Berufsausbildung.

Das berufliche Schulwesen im Land bietet berufsqualifizierende und allgemein-bildende Abschlüsse, die vom  Hauptschulabschluss bis zur allgemeinen Hochschulreife reichen können. Das durchlässig gegliederte Schulsystem in Baden-Württemberg stellt sicher, dass es keinen schulischen Abschluss ohne Anschluss gibt. Schülerinnen und Schüler können so die jeweils nächste Stufe der Qualifizierung erreichen und ihr individuelles Begabungspotenzial ausschöpfen.

Stand der Überarbeitung: Oktober 2017

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Bildungsplan 2016

 

Wie wird die Schule den Anforderungen und Aufgaben der Zukunft gerecht? Welche Ziele verfolgt der Bildungsplan 2016, welche Methoden kommen zum Einsatz? Weitere Informationen finden Sie hier...

 
 
 
 
 

Ganztagsschule

 

Infos zur Ganztagsschule

Seit Juni 2014 ist die Ganztagsschule im Schulgesetz verankert - fast 35 Jahre, nachdem es die ersten Modellversuche zur Ganztagsschule in Baden-Württemberg gab. Ziel dieses Angebots ist es, die Kinder individueller fördern zu können. Auch für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf aus Sicht der Eltern wird das Konzept als positiv angesehen.

mehr zu Ganztagsschulen

 
 
 
 
 

 

Der Verein bringt sich aktiv in den derzeit laufenden Schulentwicklungsprozess in Baden Württemberg ein. Unterstützt von inzwischen Tausenden LehrerInnen und Eltern, von über 450 SchulleiterInnen, von WissenschaftlerInnen und vielen weiteren Solidaritätsadressen, fordert er einen Paradigmenwechsel hin zu einem inklusiven Schulsystem, in dem alle Kinder und Jugendliche länger gemeinsam miteinander und voneinander lernen und dabei individuell gefördert werden. Weitere Informationen finden Sie hier...

 
 
 
 
 

Schule und Europa – zwischen Verfassungsauftrag und aktiver Unionsbürgerschaft

 
 
 
 
 
 

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Bildungsbericht 2015

 

Der dritte Bildungbericht für Baden-Württemberg wurde im Juni 2015 veröffentlicht. Der Schwerpunkt liegt dieses Mal auf der Regionalen Schulentwicklung. Der Bericht ist Ergebnis einer Kooperation aus Landesinstitut für Schulentwicklung und dem Statistischen Landesamt Baden-Württemberg.

zum Bildungsbericht 2015

 
 
 
 
 

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