Landeskunde Baden-Württemberg

 

"Festungsfreiheit"

Würste, Wein und Zigarren wurden auf dem Hohenasperg angeliefert, Austern, Kaviar und andere Luxusartikel empfahl der Lieferant aus Stuttgart, als Constantin von Waldburg-Zeil seine Haftzeit absaß – mit allen Privilegien, die ein politischer Häftling höheren Standes im Vergleich zum gewöhnlichen Verbrecher genoss. Aber auch wenn dumpfe Kerker geräumigen Zimmern gewichen waren, so wird man den „roten Fürsten“ nicht auf die Wahrnehmung eines Luxushäftlings in biedermeierlicher Gefängnisidylle reduzieren dürfen. Hochpolitisch war sein Handeln allemal. Die Gouache aus den Jahren 1850/51 stammt vermutlich von der Tochter des Fürsten, Gräfin Anna von Waldburg-Zeil. Foto: Waldburg-Zeil'sches Gesamtarchiv, Schloss Zeil

Wie die allermeisten der politischen Häftlinge konnte er dort die „Festungsfreiheit“ genießen, die sich seit den 1830er-Jahren schrittweise durchgesetzt hatte. Unterschieden wurde damit nun zwischen herkömmlichen Straftätern einerseits und politischen Häftlingen höheren Standes oder besserer Bildung andererseits.

Diese Festungsarrestanten konnten sich auf dem Hohenasperg frei bewegen, eigene Kleidung tragen und sich selbst verpflegen, Besucher empfangen, schreiben und sogar die Wirtschaften innerhalb der Festung besuchen. Dafür musste die Unterkunft von den Gefangenen in Form von „Zimmergeld“ und „Bettzins“ selbst bezahlt werden. Der „rote Fürst“ soll sogar mit 250 Koffern und eigenen Möbeln angereist sein. Beeindruckend ist auch die Liste der Luxuswaren, die er sich während seiner Haftzeit aus Stuttgart anliefern ließ, vor allem Wurst, Wein und Zigarren. Oppositionelle Volksnähe verlangte keineswegs den Verzicht auf Luxus.