Landeskunde Baden-Württemberg

 

Gericht über die 1848/49er-Revolution

Auf einer Karikatur aus dem Jahr 1848 wird Gustav Adolf Rösler, der oft mit grober Häme agierende Parlamentarier, selbst verspottet – wegen seiner auffällig farbigen Kleidung als „Reichskanarienvogel“. Zwei Mal wurde der Teilnehmer am badischen Aufstand auf den Hohenasperg verbracht. Schließlich gelang ihm mit Hilfe seiner Frau die Flucht in die Schweiz. Foto: Haus der Geschichte Baden-Württemberg

Wie in einem großen Hotel in der Hochsaison muss es in den Jahren 1849 und 1850 auf dem Hohenasperg zugegangen sein, „täglich neue Gäste, lebhafteste Unterhaltung“. So hat der Historiker Theodor Schön in seiner Ende des 19. Jahrhunderts erschienenen Geschichte des Hohenaspergs die Lage in der Festung charakterisiert. Wieder war es eine Kommission, die akribisch die Auswüchse der Revolution in Württemberg bekämpfte und dazu gegen rund 4500 Personen ermittelte. Eng wurde es nun im Gefängnis und immer weiter wurde es ausgebaut, denn etwa 400 politische männliche Häftlinge kamen auf den Hohenasperg – die Frauen kamen in ein Gefängnis im nahe gelegenen Markgröningen. Es waren Lehrer, Buchhalter, Bauern, Soldaten, Handwerker, Gastwirte und Arbeiter, aber auch Pfarrer, Schriftsteller und Redakteure, Fabrikanten und Kaufleute – kurz: ein Querschnitt der Revolutionäre von 1848/49.

Zeitweise waren über hundert Häftlinge gleichzeitig unterzubringen. Die prominentesten darunter waren der Gaildorfer Glasfabrikant und republikanische Agitator Gottlieb Rau (1816–1854), der es geschafft hatte, auf seinen Versammlungen Tausende zusammenzubringen. Im September 1848 hatte er in Rottweil zum „Marsch auf Cannstatt“ aufgerufen, um den König abzusetzen und die Republik auszurufen. Auch den (nicht mit dem viel bekannteren, gleichnamigen, aber ein Jahr älteren Pfarrer und Gründer der „Wernerschen Anstalten“ zu verwechselnden) Stuttgarter Menageriebesitzer, prominenten „Demokraten„ und Anhänger Raus Gustav Werner (1810–1870), der einen Papagei gelehrt hatte, den Namen des badischen Revolutionärs Hecker zu krächzen, traf es genauso wie Gustav Adolf Rösler (1818–1855), Mitglied der Deutschen Nationalversammlung in Frankfurt und Stuttgart, der wegen seiner bunten Kleidung auch als „Reichskanarienvogel“ verspottet wurde.

Die politische Verfolgung traf auch Fürst Constantin von Waldburg-Zeil-Trauchburg (1807–1862), den „roten Fürsten“, der nach einer politischen Kehrtwende vom Verfechter adeliger Vorrechte zum Vorkämpfer für Bauernrechte und für die Trennung von Staat und Kirche geworden war. Wegen Beleidigung der Staatsgewalt wurde er 1849 zu fünf Monaten Haft auf dem Hohenasperg verurteilt.