Landeskunde Baden-Württemberg

 

Erinnerungsort Kulturkampf?

Die Geschichte zeigt bis heute die Anfälligkeit des Kulturkampfbegriffs für immer neue inhaltliche Füllungen. Der „Kulturkampf “ ist zur schnellen, handelbaren Alltagschiffre, zur billigen Münze verkommen, womit der verantwortete Gebrauch des Begriffs nicht einfacher, eher schwieriger, da komplexer geworden ist. Ob und inwieweit sich mit dem ins kulturelle Gedächtnis eingegrabenen Begriff überhaupt noch die Erinnerung an die „Kulturkampfzeit“ des 19. Jahrhunderts, an den „badischen Kulturkampf “ der 1860er- und 1870er-Jahre verbindet, ist eine offene Frage. Er transportiert wohl eher mentale Befindlichkeiten jenseits einer konkreten inhaltlichen Erinnerung. Ob er also als „Erinnerungsort“ überhaupt taugt?


Es scheint, dass inzwischen überall dort von „Kulturkampf “ geredet wird, wo es in irgendeiner Weise um religiöse und politische Symbole, mithin um die Auseinandersetzungen zwischen religiösen „Fundamentalisten“ und „Liberalen“ geht. Längst wird auch von einem „Kulturkampf in der Türkei“ gesprochen. Damit hat der Begriff aber eine Wandlung durchgemacht: Er bezeichnet nicht mehr die Einschränkung historisch gewachsener, kulturell vermittelter kirchlicher Rechte und Interessen, sondern ist zum Begriff für die Auseinandersetzung um Symbole geworden. Freilich: Symbole stehen für Inhalte. Von daher beweist der Begriff – bei allen Diskontinuitäten – auch Kontinuität.