Landeskunde Baden-Württemberg

 

Einwanderungsland – Kulturkampf im Kontext der „Wiederkehr der Religion“

Der Freiburger Erzbischof Conrad Gröber (1872–1948) im Jahr 1934 auf dem Freiburger Münsterplatz. Foto: Erzbischöfliches Archiv der Erzdiözese Freiburg

Zuletzt tauchte der „Kulturkampf “ wieder im Zusammenhang mit den Diskussionen um den Islam auf. Stand hinter der Diskussion um Moscheen zunächst noch die Frage nach Gemeindebildung und Ermöglichung religiöser Vollzüge, so hatte der Streit um den Bau von Minaretten bereits eine andere Qualität: Jetzt ging es um den Öffentlichkeitscharakter einer Religion, die nicht mehr im „privaten“ Bereich einer Gemeinde gepflegt wurde, sondern für alle sicht- und hörbar (oder besser: nicht mehr überhörbar) war. Es ging nicht mehr um Ermöglichung, sondern um Etablierung, Demonstration einer anderen Religion – und Kultur. Hier hinein gehört auch der Kopftuchstreit. Der Islam hatte das Wechselverhältnis von aufgezwungenem Kampf von außen und Stärkung im Innern, den – historisch evidenten – Zusammenhang zwischen fruchtbarem „Märtyrertum“ (als Kehrseite des Bekenntnisses) und Kulturkampf erkannt. Wohl auch deshalb betonte er, mit dem „Kopftuchstreit“ sei in Deutschland eine Art „Kulturkampf “ entfacht worden.

Eine (vorerst) letzte Stufe des Ringens zwischen (noch) christlich geprägter Gesellschaft und Islam wurde im „Kruzifix- Streit“ erreicht. Was sich bereits im Kopftuchstreit angekündigt hatte, dass man (wieder) auch die Frage nach der Berechtigung von Ordensleuten bzw. Ordenstracht christlicher Gemeinschaften im öffentlichen Bereich stellte, wurde jetzt auf die Spitze getrieben: Die Defensive war endgültig verlassen, der Islam war in die Offensive übergegangen. Der Staat sollte zur Entscheidung gezwungen werden, entweder alle Religionen auf ein und dieselbe Stufe zu stellen, und zwar eben auch in ihren kulturellen Ausprägungen und ohne Rücksicht auf die geschichtliche Genese, oder zum säkularen Staat zu werden, der religiöse Symbole jeglicher Art verbietet.