Landeskunde Baden-Württemberg

 

Der Nationalsozialismus – (nur) ein Kulturkampf?

Der Rottenburger Bischof Joannes Baptista Sproll (1870-1949) war der einzige deutsche Bischof, der von den Nationalsozialisten seines Bistums verwiesen wurde, nachdem er schon zuvor drangsaliert worden war.

Nach 1933 war der alte Kulturkampfgeist plötzlich wieder lebendig. Die Kirche lebte damals nicht nur im Trauma des alten Kulturkampfes, sondern auch – je länger desto mehr – angesichts der Entkonfessionalisierungsmaßnahmen und Repressalien des Regimes im Bewusstsein, tatsächlich einen neuen Kulturkampf bestehen zu müssen.

1937 rief der Rottenburger Bischof Joannes Baptista Sproll anlässlich einer Männerwallfahrt in Weingarten seinen Zuhörern zu: „Schon einmal hat der Kulturkampf getobt in deutschen Landen, in den 70er-Jahren, als Bismarck glaubte, mit der katholischen Kirche fertig zu werden. Damals hat der katholische Führer Schorlemer in den Reichstag hineingerufen: ‚Ihr könnt uns vernichten, aber das sage ich, Ihr werdet diese katholischen Herzen nie losreißen vom Statthalter Christi!‘ Und das soll auch unser Grundsatz sein.“

Konkret prangerte Sproll den unter dem Deckmantel von „positivem Christentum“ und „Gottgläubigkeit“ „getarnten Kampf “ des Nationalsozialismus gegen Christentum und Kirche an, die Versuche einer kirchlichen Gleichschaltung, die öffentliche Propagierung eines Zerrbilds der Kirche (Sittenprozesse), die Verleumdung des Papsttums als Schuldigem am Weltkrieg, an Versailles, als Verbündetem Russlands und der Freimaurerei, die Verhinderung von Meinungs- und Pressefreiheit, die Rechtlosigkeit und die erpresserischen Zwangsmaßnahmen des Regimes sowie schließlich die Verpflichtung der Religionslehrer auf einen Unterricht im nationalsozialistischen Geist.

Auch der Freiburger Erzbischof Conrad Gröber unterstrich die allgegenwärtige Existenz eines Kulturkampfes, indem er dem nationalsozialistischen Staat ein langes Sündenregister vorhielt, um schließlich zu enden: „Wir erblicken auch darin eine Bevorzugung der Gegner des Christentums und der Kirche und eine Zurücksetzung und Mundtoterklärung der Christen und Katholiken. […] Man wirft uns Katholiken vor, daß wir den Kulturkampf an die Wand malen und im Ausland verkünden, obgleich von einem Kulturkampf in Deutschland nicht die Rede sein könne […], leider sind wir nicht in der Lage, die Tatsachen zu übersehen, die ohne unser Zutun dem Ausland ein Bild von den kirchlichen Verhältnissen in Deutschland unterbreiten, das den Eindruck eines heftigen Kulturkampfes erweckt. Was wir wollen, ist nur der Friede und die Freiheit, wie sie das Konkordat uns verbürgt und das Volk so lebensnotwendig braucht.“