Landeskunde Baden-Württemberg

 

Auswirkungen auch in Württemberg

„Die Zukunft gehört dem, der die Schule hat.“ Erneut griff der „Kladderadatsch" im Jahr 1875 den Kulturkampf auf und unterstrich die Bedeutung, welche die Schulpolitik im Rahmen der Auseinandersetzung zwischen Staat und Kirche hatte.

Selbst in Württemberg, wo es ja keinen Kulturkampf gegeben hatte, wurde nach 1900 von kirchlicher Seite ein solcher postuliert, ganz offenkundig aus Gründen der Stimmungsmache. So brachte das „Katholische Sonntagsblatt" 1901 die große Überschrift „Ein Stück Kulturkampf", konnte dort aber nur einen Vorfall aus Lüdinghausen in Westfalen schildern. Der Artikel endete mit dem Satz: „Das eine steht fest bei allen, die Augen- und Ohrenzeugen der Vorgänge waren: Das katholische Volk wird nicht ruhen und rasten, bis auch die Väter der Gesellschaft Jesu ihm zum freien Wirken zurückgegeben sind!“ 1903 folgte im selben Blatt „Eine Episode aus dem französischen Kulturkampf", 1905 endlich auch ein Artikel „Kulturkampf im württembergischen Landtag."

Häufiger wurde der Kulturkampf dann ab 1907 in katholischen Kreisen kolportiert. So erschien in diesem Jahr sogar eine dreizehnteilige Artikelserie Im Kulturkampf. Fürs „Katholische Sonntagsblatt“ geschrieben nach seinen Erinnerungen von Pfarrer P. Dass diese Beiträge – nota bene aus dem Badischen – über eine Zeit von fast vier Monaten den württembergischen Beziehern der Kirchenzeitung präsentiert wurden, sagt freilich mehr über die Intentionen des Blattes aus als über die tatsächlichen Begebenheiten des bereits 30 Jahre zurückliegenden Kulturkampfes. In einer Vorbemerkung erklärte der Herausgeber Konrad Kümmel jedenfalls rundweg, es sei „nur gut, wenn das katholische Volk nicht vergißt, was der furchtbare Kulturkampf der 70er-Jahre des letzten Jahrhunderts über die Katholiken des Reiches gebracht hat“, weil „gegenwärtig wieder eine ähnliche Luft weht, wie damals“.

Der Kulturkampfgeist wurde auch beschworen, als Ende 1908 im württembergischen Landtag über die obligatorische Einführung von Handarbeitsunterricht in den Schulen diskutiert wurde. Damals entstand „eine überaus heftige Kulturkampfdebatte, wie sie der Halbmondsaal noch selten gesehen hat“. Doch gab diese nur den Auftakt zu weiteren Auseinandersetzungen, über die im Katholischen Sonntagsblatt monatelang unter der Überschrift Eine Kulturkampfdebatte im württembergischen Landtag berichtet wurde.