Landeskunde Baden-Württemberg

 

Württemberg – eine „Oase des Friedens“

Auf Ausgleich bedacht: der Rottenburger Bischof Karl Joseph von Hefele (1809–1893). Foto: Bischöfliches Ordinariat der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Wie in Baden, so war es auch in Württemberg seit den 1840er- Jahren zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Staat und Kirche gekommen. Die Entwicklung verlief weitgehend parallel. Auch hier gab es einen Mischehenstreit, infolge der Denkschriften der oberrheinischen Bischöfe Verhandlungen mit dem Heiligen Stuhl über eine Konvention, deren Zurückweisung durch die Abgeordnetenkammer und daraufhin ein einseitiges, vom Staat erlassenes Kirchengesetz. Allerdings: Zu einem „Kulturkampf “ wie in Baden kam es nicht. Trotz einer auch hier bemerkbaren „Kulturkampfstimmung“, von der extrem „ultramontan-kämpferischen“ Partei im katholischen Lager ebenso wie von der „evangelisch-liberalen“ Richtung geschürt, blieben die großen Eskalationen aus.

Seinen Grund hatte das vor allem in der konzilianten Haltung und persönlichen Freundschaft zwischen dem antipreußisch gesinnten König Karl von Württemberg und Bischof Karl Joseph Hefele. Beiden gelang es, „Eiferer“ auf der jeweils eigenen Seite in Zaum zu halten. So blieb die Kirchenpolitik des Staates gemäßigt, während Hefele – überzeugt davon, dass die (katholische) Zentrumspartei eine Hauptmitschuld am Kulturkampf trage – verhinderte, dass zu seinen Lebzeiten in Württemberg eine Zentrumspartei entstehen konnte. Die Unterschiede zwischen Württemberg und Baden waren so groß, dass beispielsweise der badische Pfarrverweser einer hohenzollerischen Gemeinde, dem übel mitgespielt wurde, das Freiburger Ordinariat bat, seine Wohnung in einem benachbarten württembergischen Ort nehmen und von dort aus seinem Amt nachgehen zu dürfen.