Landeskunde Baden-Württemberg

 

Kräftemessen und Konflikte

Als die liberale badische Regierung im Sommer 1864 ein neues Schulaufsichtsgesetz vorlegte, ging Erzbischof Vicari wieder auf Konfrontationskurs. Die Antwort des Staates war 1867, den angehenden Theologen ein besonderes Kulturexamen aufzuerlegen und sie so in einem nationalen, antirömischen Sinne zu prägen. Die Kirche leistete Widerstand. Noch einmal verschärft wurde der Konflikt, als ein neues Schulgesetz die fakultative Gemeinschaftsschule zuließ und damit die Konfessionsschule in Frage stellte.

Das Examens- oder Sperrgesetz hatte Gefängnisstrafen und Verbannung, Ausbleiben oder „Auswanderung“ des priesterlichen Nachwuchses und nicht zuletzt starke Einschränkungen der Seelsorge zur Folge. Schon kritische Äußerungen wurden drakonisch bestraft. So wurde Pfarrer Heinrich Hansjakob, der in einer Versammlung in Markdorf behauptet hatte, die „schwarzen“ Bauern würden gegenüber den „roten“ Bauern bei der Prämierung der Fohlen benachteiligt, für sechs Wochen ins Gefängnis gesteckt – der Staatsanwalt hatte sechs Monate verlangt. Nach dem Tod des Erzbischofs (1868) konnte 14 Jahre lang kein Nachfolger bestellt werden. Erst 1876 zeichnete sich eine gewisse Wende ab. Staatsminister Julius Jolly wurde – vor allem wegen seiner Schulpolitik (Entchristlichung der Volksschule) – entlassen. 1881 wurde mit Johann Baptist Orbin ein „Friedensbischof “ installiert. Der Abbau der Kulturkampfgesetzgebung sollte jedoch erst 1918 zum Abschluss kommen.