Landeskunde Baden-Württemberg

 

Zum Verlauf des badischen Kulturkampfes

„Eine Drohung von Jenseits – der Berge“. So thematisierte „Der Kladderadatsch" den Kulturkampf in Baden im Jahr 1874.

Ob Auslöser oder Reflex – das Wiedererwachen des katholischen Selbstbewusstseins in den 1840er-Jahren hatte zu lang anhaltenden, heftigen Kontroversen über „die kirchlichen Zustände in Baden“ geführt. Weil auch nach der bürgerlichen Revolution von 1848 das zunehmend als einengend empfundene Staatskirchentum in vollem Umfang bestehen blieb, legten die oberrheinischen Bischöfe in den 1850er-Jahren mehrere Denkschriften vor, die weitreichende Forderungen enthielten. Diese Denkschriften wurden begleitet von Protestbewegungen in den Gemeinden.

Der nun vor allem in Baden entbrennende „Kirchenkampf “ nahm den späteren Kulturkampf voraus – wurde zeitweise sogar heftiger ausgetragen als in den 1870er-Jahren. Einen Höhepunkt erlebt er, als der greise Freiburger Erzbischof Hermann von Vicari 1854 unter Hausarrest gestellt und Geistliche verhaftet wurden, und es infolgedessen zu bewaffneten Zusammenstößen zwischen der Polizei und der Bevölkerung kam. Eigentlich ging es damals schon um all jene Punkte, die noch im 20. Jahrhundert eine Rolle spielen sollten.

Versuche einer einvernehmlichen Lösung via Konkordats- bzw. Konventionsverhandlungen scheiterten schließlich am „liberalen Mastbürgertum“ (Heinrich Hansjakob); die Kammern der Volksvertreter lehnten die zwischen dem Heiligen Stuhl und den Regierungen ausgehandelten Kompromisse ab. 1860 kam es zur landesherrlichen Proklamation eines Kirchengesetzes, das nicht half, die Konflikte zu lösen, sondern sie vielmehr erst recht verschärfte. Dazu kam, dass Großherzog Friedrich I. sich dem Liberalismus anschloss, der „österreichisch- ultramontanen Politik“ den Rücken kehrte und eine der wichtigen Stützen Preußens wurde.