Landeskunde Baden-Württemberg

 

Rastatt: „Wir sind das Volk, das seine Freiheit fordert!“

Das Schloss Rastatt, ehemalige Residenz der 1771 ausgestorbenen Baden-Badener Linie des Hauses Baden. Vom „Türkenlouis“ nach dem Vorbild von Versailles erbaut, wurde es Teil der Festung Rastatt, die 1841 zur Sicherung gegenüber Frankreich als Bundesfestung des Deutschen Bundes ausgebaut wurde. Nach der Einnahme der Festung und der Niederschlagung der Revolution in Baden tagte hier im Ahnensaal das Standgericht, das 47 Urteile sprach, darunter 21 Todesurteile. Im Schloss befindet sich heute die Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte. Foto: LMZ Baden-Württemberg

Zeitgleich mit der dritten Offenburger Versammlung kam es am Wochenende vom 12./13. Mai 1849 in der Bundesfestung Rastatt zu einem Soldatenaufstand. Unter dem Wahlspruch: „Wir sind das Volk, das seine Freiheit fordert!“, schlossen sich die Soldaten und die Rastatter Bürger zusammen. Die meisten Offiziere verließen die Festung, die verbliebenen Offiziere und Soldaten beschlossen die Unterstützung der Oppositionsbewegung im Land und schickten eine Delegation nach Offenburg, die dort am Sonntag eintraf. Die Soldaten erklärten, dass sich die Rastatter Soldaten für die Durchführung der Reichsverfassung und für die Berufung einer verfassunggebenden Versammlung in Baden einsetzten.

Diese unerwartete Entwicklung gab den Ereignissen im Land eine völlig neue Dynamik. Die Nachricht vom Soldatenaufstand in Rastatt, dem auch Aufstände in anderen Garnisonen des Landes folgten, veranlasste den Großherzog und seine Minister, in der Nacht zum 14. Mai 1849 Baden zu verlassen. Der Landesausschuss der Volksvereine schien plötzlich die einzige Institution mit der nötigen Autorität, um im Land für Ordnung zu sorgen. Der Karlsruher Gemeinderat trat mit der Bitte an den Landesausschuss heran, nach Karlsruhe zu kommen um „für den Schutz der Stadt“ und für die Ordnung im Land zu sorgen.

Das Militär hatte sich auf die Seite der Oppositionsbewegung gestellt, ein für jede Revolutionsbewegung entscheidender Schritt, der den Erfolg eigentlich garantieren kann. Das Land Baden mit nahezu der kompletten Beamtenschaft unterstellte sich dem Landesausschuss. Die Beamten leisteten sogar einen Eid auf die neue, provisorische Regierung, lediglich mit dem Vorbehalt ihrer Verpflichtung gegenüber der Badischen Verfassung. Der Landesausschuss leitete als provisorische Regierung Maßnahmen zur Umsetzung der 16 in Offenburg beschlossenen Forderungen ein. Er führte vor allem Wahlen zur lange geforderten verfassunggebenden Versammlung für Baden durch, um seine Regierung auf eine demokratisch legitimierte, parlamentarische Basis zu stellen. Diese Versammlung wurde nach einem allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten (Männer-)Wahlrecht gewählt und trat am 10. Juni in Karlsruhe zusammen, um ihre Arbeit aufzunehmen.