Landeskunde Baden-Württemberg

 

Die Volksversammlung

Die Volksversammlung begann am folgenden Sonntag um 14 Uhr wieder auf dem Offenburger Rathausplatz. Ungefähr 35 000 bis 40 000 Menschen waren aus ganz Baden gekommen. Goegg stellte das am Vortag entworfene 16-Punkte- Programm vor. Es enthielt bekannte Märzforderungen (allgemeine Volksbewaffnung, Einführung von Geschworenengerichten, Selbstständigkeit der Gemeinden gegenüber den staatlichen Verwaltungsbehörden) und die Forderungen, die am Vortag an die Regierung in Karlsruhe geschickt worden waren.

Weiterhin wurden in diesem Programm ähnliche soziale Forderungen formuliert wie bereits im Offenburger Programm von 1847 (Schutz der Bevölkerung vor einem „Übergewicht der großen Kapitalisten“ durch die Gründung einer Nationalbank, größere Steuergerechtigkeit durch eine progressive Besteuerung und eine Alterssicherung durch einen „Landespensionsfonds“ für alle Bürger). Vor allem jedoch wurde die badische Regierung aufgefordert, unbedingt die Reichsverfassung anzuerkennen und sich für deren Durchführung einzusetzen.

Die Volksversammlung beschloss dieses Programm, das Punkt für Punkt verlesen wurde. Inzwischen war die am Vorabend nach Karlsruhe entsandte Delegation zurückgekehrt und berichtete, dass die großherzogliche Regierung alle Forderungen abgelehnt hatte. Trotzdem blieb die Versammlung bei ihrer gemäßigten Haltung. Es kam auch nach der Bekanntgabe dieser enttäuschenden Nachricht nicht zur Proklamation der Republik. Der Landesausschuss, die organisatorische Spitze der Volksvereine, wurde beauftragt, sich für die Durchsetzung der beschlossenen Forderungen mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln einzusetzen.