Landeskunde Baden-Württemberg

 

Offenburg in der Badischen Mairevolution von 1849

Die Badische Revolution hatte zu einer umfassenden Politisierung der Bevölkerung geführt, sichtbar in den demokratischen Volksvereinen, in denen schätzungsweise jeder zehnte Mann Mitglied war. Schlagkräftig organisiert worden waren die Volksvereine durch den badischen Beamten Amand Goegg (1820–1897). Im provisorisch nach der Flucht des Großherzogs regierenden Landesausschuss nahm er im Mai 1849 die Rolle des „Finanzministers“ wahr. Nach Flucht und Emigration konnte er nach seiner Begnadigung 1862 in seine Heimat zurückkehren. Foto: LMZ Baden-Württemberg

Im Mai 1849 wurde Offenburg zum dritten Mal Zentrum der politischen Protestbewegung. In Baden war seit dem Jahreswechsel 1848/49 eine landesweite Organisation der Demokraten, die Volksvereine, entstanden. Führender Kopf war Amand Goegg, der die Volksvereinsorganisation gemeinsam mit dem Mannheimer Advokaten Lorenz Brentano aufbaute. Im Frühjahr 1849 waren schätzungsweise zwischen 35 000 und 50 000 Badener in einem Volksverein organisiert. Ungefähr jeder zehnte Mann in Baden war danach Mitglied in einem Volksverein. In Berlin hatte der preußische König die ihm von der Paulskirchenversammlung angetragene Würde eines deutschen Kaisers im April abgelehnt. Die von der Paulskirche ausgearbeitete Verfassung für ein geeintes Deutschland drohte zu scheitern.

In dieser Situation lud Amand Goegg die Vertreter aller badischen Volksvereine für den 12. Mai 1849 zu einem Landeskongress nach Offenburg ein und für den folgenden Sonntag zu einer allgemeinen Volksversammlung. Goegg betonte in seinen Erinnerungen von 1876, bei diesen Veranstaltungen sollte nicht die Reichsverfassung unterstützt, sondern die Republik ausgerufen werden.

Die Deputierten der Volksvereine trafen sich am 12. Mai 1849 im Gasthaus „Zähringer Hof “ in Offenburg. Schnell wurde klar, dass sich Goegg in der Versammlung mit seinem Plan, die Republik auszurufen, nicht durchsetzen konnte. Die gemäßigte Mehrheit der Volksvereinsvertreter sprach sich dagegen aus. Die Versammlung beschloss, eine Gesandtschaft mit verschiedenen Forderungen nach Karlsruhe zu schicken. Gefordert wurden von der Badischen Regierung die Auflösung der beiden badischen Kammern, der Rücktritt des Ministeriums unter der Leitung von Innenminister Bekk, die Berufung einer verfassunggebenden Versammlung und eine Amnestie für politische Vergehen. Während die Deputation noch am selben Abend nach Karlsruhe reiste, entwarf Goegg mit der radikalen Minderheit ein Programm, das am folgenden Tag der Volksversammlung vorgelegt werden sollte.