Landeskunde Baden-Württemberg

 

Friedliche Demonstration

In Offenburg hatte sich innerhalb weniger Monate eine neue Form politischer Partizipation der Bürger entwickelt, die von vielen Bürgern wie selbstverständlich in Anspruch genommen wurde. Sie entwickelten über Zeitungen und Flugblätter Kommunikationsstrukturen, über die landesweit und demokratisch für alle zugänglich Informationen verbreitet wurden. Auch außerhalb der Zirkel des durch persönliche Kontakte verbundenen Bildungsbürgertums versammelten sie sich im öffentlichen Raum und formulierten ihre politischen Forderungen. Und dies alles lief friedlich und – bei Mobilisierung von tausenden von Bürgern – in einer bemerkenswerten Ruhe und Ordnung ab.

Die Mehrheit der Offenburger Bevölkerung verfolgte auch während der unruhigen Tage im Frühjahr 1848 das Prinzip des friedlichen Protests und der Demonstration für die eigenen politischen Ziele ohne Gewaltanwendung. Diese Haltung behielt die Mehrheit der Offenburger auch während des Heckerzugs im April bei. Friedrich Hecker, enttäuscht von der ablehnenden Haltung im Vorparlament gegenüber seinem Antrag auf Einführung einer Republik in Deutschland, wollte mit seinen Anhängern vom Seekreis aus eine Revolution in Baden und schließlich auch in ganz Deutschland auslösen.