Landeskunde Baden-Württemberg

 

Eine „magna carta“

Ein Erinnerungsort demokratischer Geschichte in Deutschland: Die Kultur- und Erinnerungsstätte Salmen. Foto: Stadtarchiv Offenburg

„Wir haben in dieser vor mir liegenden Karta, gleich einer magna carta, diejenigen Punkte aufgenommen, welche wir für eine wahre Volksfreiheit unentbehrlich halten. Wir wünschen, dass sie dem Inhalte dieser Karta Ihre Beistimmung verleihen möchten durch ein lautes Ja.“ Dann verlas Hecker die 13 Punkte des Programms, das die Verfasser selbstbewusst als „Die Forderungen des Volkes“ bezeichneten. Die Anwesenden stimmten mit einem lauten „Ja“ zu. Diese 13 Forderungen wurden als „Offenburger Programm“ der radikalen Demokraten in ganz Deutschland bekannt.

Was war das Neue an diesen Forderungen, außer dass zum ersten Mal in Deutschland eine politische Gruppierung ihre Ziele in Form eines Programms veröffentlichte? Zunächst wurde im ersten Artikel die Aufhebung der Karlsbader Beschlüsse von 1819 und der Folgebeschlüsse von Frankfurt und Wien aus den Jahren 1831 bis 1834 gefordert, die zu Zensur und jahrelanger Verfolgung der politischen Opposition im Deutschen Bund geführt hatten. Dann wurden in den Artikeln 1 bis 7 Forderungen formuliert, die im Wesentlichen das vorwegnahmen, was 1848 in den „Märzforderungen“ der deutschen Revolution von allen Liberalen gefordert wurde.