Landeskunde Baden-Württemberg

 

Eine Demonstration für Freiheit und Ordnung

Der führende Kopf der Offenburger Demokraten: Der Bürgermeister Gustav Reé (1810-1869). In seine Amtszeit (1845-1849) fielen die Ereignisse, die Offenburg in das Licht der großen Politik rückten. Foto: LMZ Baden-Württemberg

Die Versammlung begann mit einem Mittagessen um 13 Uhr, an dem ungefähr 200 bis 250 Gäste teilnahmen. Dabei wurde das von Struve und Hecker entworfene Programm vorbesprochen, bevor um 15 Uhr der Saal für das allgemeine Publikum geöffnet wurde. Insgesamt sollen sich zwischen 700 und 900 Menschen in den Raum gedrängt haben. Die Inszenierung des Raums lässt sich als öffentliches Bekenntnis der Offenburger Veranstalter zur bestehenden Verfassungsordnung in Baden verstehen.

In der Mitte des Saales war eine Rednertribüne aufgebaut. Dahinter standen die Büsten Karl Friedrichs, des ersten Großherzogs von Baden, und seines Nachfolgers Karl, der 1818 die Badische Verfassung erlassen hatte. Hier war auch ein Exemplar dieser Verfassungsurkunde ausgelegt. An der Wand hingen außerdem ein Porträt des regierenden Großherzogs Leopold, daneben Porträts führender oppositioneller Kammermitglieder, nämlich die der bekannten badischen Liberalen der „alten Generation“, Karl von Rotteck, Adam von Itzstein und Alexander von Soiron, ebenso Porträts der beiden Hauptredner der Versammlung, Friedrich Hecker und Gustav Struve. Eine Demonstration für „Freiheit und Ordnung“ der Offenburger Veranstalter!

Die Versammlung wurde von den lokalen Vertretern Offenburgs, Eduard Rehmann und Gustav Rée, eröffnet. Als erster Hauptredner setzte sich dann Gustav Struve in seinen Ausführungen mit der Unterdrückung der Meinungsund Versammlungsfreiheit und der Verfolgung der politischen Opposition im Deutschen Bund seit den Karlsbader Beschlüssen von 1819 auseinander, die die Unterdrückung der liberalen Bewegung beispielsweise durch die Einschränkung der Pressefreiheit ermöglichten. Diese widersprachen – so Struve – auch der Badischen Verfassung, und er rief sein Publikum auf, die Badische Zweite Kammer unter Druck zu setzen, um diese Verstöße gegen die Verfassung zu beenden. Damit stimmte er das Publikum schon auf den vorbereiteten Forderungskatalog ein. Diesen stellte dann der zweite Hauptredner des Nachmittags, Friedrich Hecker, vor.