Landeskunde Baden-Württemberg

 

Dissens und Konsens

Besuch der Landesregierung von Baden-Württemberg am 16. Dezember 1953 in Sigmaringen. Die Aufnahme zeigt Ministerpräsident Gebhard Müller bei seiner Ansprache im Rathaus, ihm gegenüber sitzend Fürst Friedrich von Hohenzollern. Foto: Staatsarchiv Sigmaringen

Mit dieser Zurücksetzung konnten und wollten sich die traditionsbewussten Hohenzollern um Fürst Friedrich von Hohenzollern nicht abfinden. In der Verfassung des zukünftigen Landes Württemberg-Hohenzollern sollte dementsprechend die Eigenstaatlichkeit Hohenzollerns festgeschrieben werden. Die Bildung eines solchen Staatenbundes stieß jedoch sowohl bei den südwürttembergischen Abgeordneten als auch bei der Besatzungsmacht auf strikte Ablehnung. In der Verfassung des neuen Landes, die am 18. Mai 1947 von den Bürgern angenommen wurde, hat man den beiden hohenzollerischen Kreisen Hechingen und Sigmaringen jedoch die Selbstverwaltung eingeräumt, wie sie schon am 1. Januar 1933 bestand. Näheres sollte durch ein Gesetz bestimmt werden.

Diesem Gesetzgebungsauftrag ist die Regierung in Tübingen lange nicht nachgekommen. Um die Stimmen der Hohenzollern für die Bildung des geplanten Südweststaats nicht zu verspielen, gab Staatspräsident Gebhard Müller seine Vorbehalte schließlich auf. Mit dem Gesetz über die Selbstverwaltung der Hohenzollerischen Lande, das am 7. September 1950 beschlossen wurde, war die wichtigste Forderung der Verteidiger der hohenzollerischen Sonderinteressen erfüllt. Am 9. Dezember 1951 stimmten denn auch über 90 Prozent der Bevölkerung des Landes für die Bildung des Südweststaats.